Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) prognostiziert, dass trotz des Iran-Kriegs für den kommenden Winter genügend Strom in der Schweiz zur Verfügung stehen wird. Werner Luginbühl, Präsident der Elcom, erklärt: «Die Lage ist durch die Konflikte im Nahen Osten angespannter geworden, doch aktuell gehen wir von einer sicheren Versorgungssituation aus – allerdings mit gewissen Restrisiken.» Der Iran-Krieg beeinträchtigt indirekt die Stromversorgung in der Schweiz: Im Winter bezieht das Land Energie durch Importe von Gaskraftwerken in Nachbarländern. Die Füllung der Gasspeicher in Deutschland und Frankreich gestaltet sich schwierig, da Handelswege über die Strasse von Hormus aufgrund des Krieges unterbrochen sind; zudem sind wichtige Gas-Terminals im Golf beschädigt. «Angesichts der Bedeutung der Gaskraftwerke in Europa und der Winterimporte könnte dies negative Konsequenzen für die Schweiz haben», so Luginbühl.
Die tatsächliche Knappheit von Strom würde jedoch nur bei mehreren Extremszenarien eintreten. «Eine Hitzewelle in Asien im Sommer, die den Gasverbrauch stark erhöht, könnte dazu führen, dass europäische Speicher nicht ausreichend gefüllt werden. Zudem müsste die Strasse von Hormus weiterhin blockiert sein und der Winter in der Schweiz extrem kalt», fügt Luginbühl hinzu. Eine solche Situation sei jedoch unwahrscheinlich.
Zudem weist die Elcom auf den Zustand des alten Schweizer Stromnetzes hin: «Rund zwei Drittel der Strommasten stehen am Ende ihrer Nutzungsdauer», sagt Jürg Rauchenstein, Mitglied der Elcom. Eine dringende Erneuerung und Instandhaltung sei notwendig, um eine Verzögerung von Projekten zu vermeiden. Luginbühl betont: «Ohne gezielte Maßnahmen wird die Modernisierung scheitern». Im Parlament liegt das Projekt «Netzexpress» vor, um den Ausbau der Stromnetze zu beschleunigen.
Die geopolitischen Risiken verdeutlichen die Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland bei der Winterstromversorgung. Luginbühl erläutert: «Im Durchschnitt importieren wir im Winter rund 4 Terawattstunden, letztes Jahr waren es sogar 6.8 Terawattstunden – etwa ein Fünftel des gesamten Verbrauchs». Die besondere Abhängigkeit sei auf eine reduzierte Wasserkraftproduktion und den Ausfall von Gösgen zurückzuführen.
Ein Stromabkommen ist für die Schweiz essenziell, um Importkapazitäten langfristig zu sichern. «Die Elcom unterstützt daher klar das Abschließen eines solchen Abkommens», betont Luginbühl. Das im März unterzeichnete Stromabkommen mit der Europäischen Union ist Teil des Pakets Bilaterale III, welches aktuell im Parlament beraten wird.