Satiriker mit Migrationshintergrund stehen zunehmend unter Druck, sich politisch korrekt zu äußern, insbesondere in Fragen des Rassismus. Einige setzen sich dagegen zur Wehr und akzeptieren dafür auch Nachteile. Rash Junior äußert im Podcast von Mirco Casorelli alias Bireweich seine Kritik an der linken Szene: «Die Linken bereiten uns Schwarzen mehr Probleme», sagt er. Er meint, dass sie sich als Helfer inszenieren, doch letztendlich die Rolle des Opfers aufzwingen wollen. Rash Junior, geboren als Rash Mendi Sakem in Kamerun und seit seinem 14. Lebensjahr in der Schweiz lebend, hat mit humorvollen Videos auf sozialen Medien Bekanntheit erlangt. In seinen Videos besucht er Orte wie Niggidei oder Schwarzsee und kommentiert diese unterhaltsam. Die aktuelle Rassismusdebatte findet bei ihm wenig Anklang. «Ob jemand ‹Mohrenkopf› sagt, ist mir egal», erklärt er im Podcast. Er sieht den linken Paternalismus als störender an als rassistische Kommentare unter seinen Videos. Rash Junior meint zudem, dass Schwarze in der Schweiz sich mehr um Missstände in ihren Herkunftsländern kümmern sollten. Die Kritik an Linken könnte auch von Reaktionen auf seine Inhalte beeinflusst sein. Während er zu Beginn vor allem über die Schweizer Gesellschaft und innerhalb des politisch korrekten Rahmens parodierte, wurde er von den Medien gefeiert. Doch als Rash Junior den ESC-Sieger Nemo imitierte und dabei Geschlechterfragen aufgriff, stieß das bei vielen auf Ablehnung. Auch Kiko, Frank Cabrera Hernandez mit bürgerlichem Namen, ist ein bekannter Stand-up-Comedian in der Schweiz. Er hat viel zur migrantischen Comedy-Szene beigetragen. Geboren und aufgewachsen ist er in der Dominikanischen Republik; schon als Kind musste er mit Rassismuserfahrungen kämpfen. In einer «Arena»-Sendung 2020 sprach Kiko über die «Black Lives Matter»-Bewegung. Anstatt die Diskriminierung anzuprangern, bezeichnete er die Debatte um Begriffe wie «Mohrenkopf» als Übertriebenheit und kritisierte die Bewegung als heuchlerisch. Dies führte zu Protesten und einer nachfolgenden Entschuldigung der Sendungsverantwortlichen. Kürzlich verteidigte Kiko den Influencer Joung Gustav, der für seine Aussagen über Asylwesen und Ausländerkriminalität von Sponsoren getrennt wurde. «Auch ich wurde gecancelt», sagte er im Podcast mit Bireweich und bemerkte, dass viele, die sich gegen Rassismus aussprechen, selbst nicht in den schwierigen Verhältnissen europäischer Großstädte leben möchten. Hamza Raya, ein Comedian libanesisch-irakischer Herkunft, steht ebenfalls im Fokus. Bekannt für seine Videos, in denen er mit Leuten auf der Straße rassistische Witze teilt und meist eine herzliche Umarmung erhält, hat Raya nach Gustavs Affäre ein Video veröffentlicht, in dem er die Linkspropaganda kritisiert. Er fühlt sich eher von den Linken gefährdet als von Rechts. Die Strategie, Influencer mit unliebsamen Meinungen bei Sponsoren zu denunzieren, ist nicht unbekannt. Kacem El Ghazzali, ein Publizist marokkanischer Herkunft, hat in einem NZZ-Essay die Frage gestellt, warum liberale Ansichten von Migranten oft als unauthentisch gelten. Die Realität zeigt, dass es nicht immer eine klare Trennlinie zwischen Opfern und Tätern gibt. Mirosan Indrakumaran, ein Influencer tamilischer Herkunft, erzählte in einem Podcast über seine Schulerlebnisse mit Polizeischutz aufgrund von Hautfarbe, wobei die Angreifer nicht Schweizer waren.