Marvin Müller und sein Doppelpartner Zeno Baldegger haben sich im gehörlosen Badminton eine Spitzenposition erarbeitet. Trotz der Tatsache, dass Müller komplett taub ist, hat das Duo bei den Deaflympics in Tokio den fünften Platz erreicht. Beide Athleten trainieren normalerweise mit Hörgeräten, doch im Gehörlosensport sind diese nicht gestattet. Baldegger verfügt über ein Restgehör, jedoch muss die Trainerin sehr laut sprechen, damit er ihr folgen kann.
Müller, der mit einem Cochlea-Implantat ausgestattet ist, unterscheidet sich von Baldegger darin, dass er ohne technische Hilfe nichts hört. Dieses Implantat ersetzt die Funktion seines Innenohrs und ermöglicht ihm eine Wahrnehmung von Geräuschen. Beide Spieler sind in normalen Badmintonsportvereinen aktiv: Baldegger spielt für den BC Trogen-Speicher, während Müller beim BC Luzern unter Vertrag steht.
Die Kommunikation im Training mit hörenden Teamkollegen ist eine Herausforderung. Ohne Hörhilfen müssen sie sich auf andere Mittel verlassen, um miteinander zu kommunizieren. Die laute Umgebung stellt für Gehörlose allgemein viele Probleme dar – sei es beim Zugfahren oder in Geschäften, wo Lippenlesen oft notwendig ist. Trotz der Hindernisse im Alltag und im Sport bleibt die Motivation bei Athleten wie Müller und Baldegger hoch.
Philipp Steiner, Leiter des Schweizer Gehörlosensportverbands SDS, betont die Bedeutung von Lippenlesen und Mimik in der Kommunikation. Er selbst ist ein erfolgreicher Skifahrer im gehörlosen Sportbereich und hat zahlreiche Medaillen gewonnen. Der Verbund kämpft um Anerkennung als Swiss Olympic-Mitglied, was finanzielle Unterstützung bringen würde. Dies wäre vor allem für Athleten wie Baldegger wichtig, der sich bei der Militäraushebung auf eine Spitzensportkarriere konzentrieren möchte.
Die Herausforderungen im gehörlosen Sport sind vielfältig: von der fehlenden Hintergrundinformation über Schläge bis hin zu Schwierigkeiten bei der Teamkommunikation. Dennoch finden Spieler wie Müller und Baldegger immer wieder Wege, sich durchzuhalten und zu brillieren, getrieben vom Willen, ihre Fähigkeiten auf internationalem Parkett zu zeigen.