Francesco Maisano strebte nach einer revolutionären Methode in der Herzmedizin, die jedoch zu gesundheitlichen Schäden vieler Patienten führte. Was ist aus dem Cardioband-Verfahren geworden? Eine kritische Reflexion hätte bereits im Februar 2013 stattfinden müssen, als Maisano erstmals am Unispital Zürich damit operierte. Das Band wurde an der Grenze zwischen Vorhof und Kammer angebracht – einer Zone mit empfindlichen Strukturen wie Herzkranzarterien und Leitungsbahnen für elektrische Signale im Herz. Verletzungen dieser Bereiche können lebensgefährlich sein, was auch bei einigen Patienten geschah.
Chirurgen waren erstaunt über die Schäden an den Herzkranzarterien durch unsichtbare Schraubenverankerungen, da Maisano und sein Team ohne Sicht arbeiteten. Ziel war es, eine Methode zur Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz zu verbessern – ein Problem, bei dem die Segel der Klappe auseinander rutschen und das Herz ineffektiv arbeiten lässt. Traditionell wurde ein künstlicher Ring operativ befestigt; Maisano versuchte dies mit einem Katheter verlegten Kunststoffring.
Georg Lutter vom Lehrstuhl für Experimentelle Herzchirurgie bemängelt die mangelnde anatomische Passgenauigkeit des Cardiobands, das nicht nur wegen der Schrauben, sondern auch aufgrund seiner unzureichenden Spannkraft versagte. Nach ersten Fehlern war klar: Das Verfahren war nicht tragfähig.
2016 führte Maisano Experimente in der rechten Herzkammer durch, wo die Trikuspidalklappe ebenfalls Probleme bereiten kann, jedoch seltener als links. Trotz vielversprechender Anfangsergebnisse zeigte sich das Cardioband weniger effektiv im Vergleich zum Clipping-Verfahren, bei dem Segel mit Metallclips zusammengehalten werden.
Die CE-Zertifizierung des Cardiobands ist abgelaufen, was seine Verwendung für neue Patienten unmöglich macht. Heute gibt es das Evoque-System als Prothesenersatz, der eine natürliche Klappe ohne Schrauben ersetzt und im Unispital Zürich unter strenger wissenschaftlicher Kontrolle untersucht wird.