Die Schweiz hat durch zwei bedeutende öffentlich finanzierte Forschungsprogramme in den Life-Sciences erhebliche Fortschritte gemacht, die Technologie und Gesundheit verbinden. ETH-Institutionen, Universitäten und Spitäler haben mit diesen Programmen bahnbrechende Errungenschaften erzielt. Doch um von diesen Investitionen zu profitieren, fehlt es der Schweiz heute an strategischer Weitsicht.
Im Dezember 2025 endete das ETH-Forschungsprogramm “Personalized Health and Related Technologies” (PHRT), welches acht Jahre lang mit einer Finanzierung von 100 Millionen Franken eine Forschungskultur förderte, die verschiedene Disziplinen miteinander verband. Die Initiative folgte dem Ansatz des Vorgängerprogramms SystemsX.ch, das vom Bund unterstützt wurde und auf Systembiologie fokussierte: Zellen wurden als komplexe Systeme betrachtet, eine Zusammenarbeit von Biologen, Physikern, Informatikern und Ingenieuren machte dies möglich. PHRT baute diesen Ansatz weiter aus und ermöglichte das Verständnis zellulärer Prozesse in ihrer Gesamtheit.
Mit dem Abschluss von PHRT steht die Schweiz vor einer Herausforderung: Die klinischen Daten, gesammelt mit dem Swiss Personalized Health Network (SPHN), müssen nun mit der Pharmaindustrie und dem Kliniknetzwerk zu präziseren Diagnosen und wirksameren Therapien führen. Dies erfordert die Integration von Medizin und künstlicher Intelligenz, eine Konvergenz, für die PHRT wichtige Grundlagen geschaffen hat.
Erste Erfolge zeigen den Nutzen dieser Strategie: Datengetriebene Forschungsergebnisse wurden in klinische Studien umgesetzt, was zu einer Verbesserung der Behandlungsstandards führte. Darüber hinaus entstanden Startups, die innovative Diagnose- und Therapieverfahren entwickeln. So hat PHRT nicht nur Wissen erzeugt, sondern auch den Weg für die Schweiz als Vorreiter in personalisierten Gesundheitsinnovationen geebnet.
Obwohl die Schweiz eine starke KI-Gemeinschaft hat, sind die Verbindungen zu biologischen und medizinischen Fragestellungen noch nicht ausreichend etabliert. Um dies zu ändern, ist ein interdisziplinäres Programm erforderlich, das Forschende zusammenbringt, ähnlich wie SystemsX.ch und PHRT es taten. Ohne eine koordinierte Struktur droht die Schweiz ihren Spitzenplatz in der globalen Wissenschaftswelt zu verlieren, während asiatische Länder mit massiven Investitionen vorpreschen.
Während einige argumentieren könnten, dass bereits umfangreiche Förderinstrumente existieren, sind diese anders konzipiert als die methodischen Programme SystemsX.ch und PHRT. Letztere öffneten neue Forschungsrichtungen mit innovativen Ansätzen. Die Schweiz gilt als Forschungsnation, deren Innovationskraft eine wesentliche Ressource ist. Durch SystemsX.ch und PHRT hat sie eine Infrastruktur geschaffen, die ihr weltweit einen Spitzenplatz in den Life-Sciences sichert. Nun muss sie die Früchte dieser Arbeit ernten und die Medizin des 21. Jahrhunderts vorantreiben. Ohne Mut und Überzeugung könnte die Schweiz ihre führende Position verlieren.