Zum Ende des Winters zeigt sich eine deutlich geringere Schneedecke auf den Schweizer Gletschern. Das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos hat die Schneemengen im April und Anfang Mai an 25 Gletschern gemessen und berichtet von einer stark unterdurchschnittlichen Schneebedeckung, wie der neueste Bericht ausweist. Die Schneehöhe variiert je nach Region zwischen einem und vier Metern, was insgesamt einem Rückgang um 25 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2020 entspricht.
Die Schneedecke dient den Gletschern als wichtiger Schutz vor hohen sommerlichen Temperaturen. Die aktuelle Menge an Frühjahrsneuschnee ist daher ein Indikator für die Resilienz der Gletscher gegenüber dem Sommer. Matthias Huss, Leiter des Messnetzes Glamos, äußert sich besorgt: “Bei geringer Schneedecke schmilzt dieser schneller bei steigenden Temperaturen, was zu einem früheren und intensiveren Massenverlust der Gletscher führen kann, sollten die Sommer ebenfalls hohe Temperaturen aufweisen.”
Ein Hauptgrund für den niedrigen Schneebedeckungsgrad ist der geringe Niederschlag im Winter. Huss erklärt weiter, dass die Temperatur in diesem Zusammenhang kaum eine Rolle spielt; vielmehr war dieser Winter mit wenigen Ausnahmen sehr trocken, ähnlich wie in den Jahren 2022 und 2023: “In diesen Jahren verzeichneten wir ebenfalls unzureichende Schneemengen auf den Gletschern, was zu Rekordschmelzwerten führte.”
Die Schmelze hat bereits eingesetzt: Auch der April war ungewöhnlich warm und trocken, wodurch die übliche Zunahme des Gletscherschnees ausblieb. “Normalerweise fällt in dieser Jahreszeit noch mehr Schnee auf den Gletschern, selbst wenn es im Flachland bereits wärmer ist. Dieses Phänomen hat sich diesen April weitgehend verweigert”, so Huss. Einige Gletscherzungen haben deshalb schon begonnen zu schmelzen, was in jüngster Zeit häufiger vorkommt.
Es gibt regionale Unterschiede: Der Bericht zeigt, dass die Situation nicht überall gleich schlecht ist. Insbesondere die Gletscher der Südostschweiz weisen teilweise fast rekordtiefe Schneemengen auf, da diese Region besonders niederschlagsarm war. Beim Blockgletscher Murtèl und beim Persgletscher im Engadin beispielsweise lag die Schneehöhe 42 bzw. 39 Prozent unter dem Durchschnitt der Referenzperiode von 2010 bis 2020. Auch für den Rhonegletscher und den Großen Aletschgletscher ist die Situation schlecht, mit 26 respektive 32 Prozent weniger Schnee als im langjährigen Mittel. Im westlichen Berner Oberland und im Wallis hingegen entsprachen die Schneemengen dem Durchschnittswert.