Am 1. Januar 2026 hat der Bundesrat zwei neue Tarifsysteme eingeführt: Tardoc und ambulante Pauschalen, die vor allem ambulante Leistungen in Spitälern abgelten sollen. Jedoch enthält das System für ambulante Pauschalen zahlreiche Fehler, was zu erheblichen Mehrkosten sowohl für Patienten als auch Krankenkassen führt.
Mehrere Patientinnen berichteten dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» über exorbitant hohe Rechnungen für bereits in den Vorjahren durchgeführte Leistungen. Beispielsweise kostete eine Schraubenentfernung nach einer Hallux-Operation 2025 knapp 400 Franken, während der gleiche Eingriff im Jahr darauf 2500 Franken verursachte. Yvonne Gilli, Präsidentin der FMH, äußerte bereits vor Einführung des neuen Tarifs ihre Kritik und forderte eine Korrektur.
Ein weiterer Fall betrifft die Kosten für eine Operation eines blockierten Fingergelenks: Waren es zuvor etwas mehr als tausend Franken, stiegen sie auf über 3000 Franken. FMH-Präsidentin Gilli bezeichnet dies ebenfalls als «Fehltarifierung».
Die Systemfehler haben zudem nicht nur finanzielle Konsequenzen: Ein Patient muss sich nun zweimal in sechs Monaten einer Magen-Darm-Spiegelung unterziehen, da die kombinierte Untersuchung nicht mehr kostendeckend ist. Der betroffene Patient beschreibt seine Lage als «einfach nur Frust». Laut FMH muss der Tarif für die Magenspiegelung dringend korrigiert werden.
FMH-Präsidentin Gilli nennt hunderte fehlerhafte Tarife bei den ambulanten Pauschalen. Die Änderungen liegen in der Verantwortung des Bundesamts für Gesundheit und des Gesamtbundesrats, die jedoch nur einmal jährlich vorgenommen werden – ein Prozess, der vielen Patienten erhebliche Mehrkosten verursacht. Deshalb fordert die FMH häufigere Anpassungen.
Das BAG erhält regelmäßig Hinweise zu den Problemen im neuen Tarifsystem und nimmt diese ernst. Es hat die Tarifpartner und OAAT AG auf ihre Verantwortlichkeiten hingewiesen und daran erinnert, dass Ärzte nur notwendige Behandlungen abrechnen dürfen.
Obwohl Anpassungen im Tardoc nötig sind, da der alte Tarmed-Tarif veraltet ist, gibt es noch viele Lücken zu schließen. Die Tarifpartner, einschließlich der FMH, sind angehalten, falsche Bewertungen bei OAAT AG zu melden. Der Bundesrat hat bereits einige dringende Anpassungen genehmigt und fordert eine regelmäßige Überprüfung der ambulanten Pauschalen.
Das BAG betont die Bedeutung von Meldungen durch Patienten und Leistungserbringer und versichert, dass alle Berichte ernst genommen werden. Die Tarifpartner haben sich darauf geeinigt, Anpassungen jährlich vorzunehmen, wobei umfangreiche Überarbeitungen für 2027 geplant sind.