Der deutsche Schriftsteller Christoph Peters teilt in einem autobiografischen Roman seine Erfahrungen mit der Alkoholsucht. In einem Gespräch spricht er darüber, wie es ist, wenn 3 Promille dauerhaft im Blut sind und wie er von dieser Abhängigkeit loskam.
Peters besucht keine Kneipen mehr am Prenzlauer Berg in Berlin, wo Einzeltrinker sich einst trafen. Stattdessen trifft er sich in einem Café an der Kollwitzstraße für das Interview. Dort hatte der Protagonist seines Romans “Entzug” vor zwanzig Jahren den Mut getrunken, nachdem ihm der Arzt eine Überweisung zur Behandlung verschrieben hatte.
Das Buch beschreibt ehrlich Peters’ Kampf mit dem Alkoholismus. Er erzählt von einem verhängnisvollen Moment: morgens eine halbleere Wodkaflasche auf der Küchentheke zurücklassen. Seine Frau, die gerade das Kind in die Kita gebracht hatte, war über diese Tat sehr enttäuscht. Diese Szene basiert tatsächlich auf einer realen Begebenheit.
Peters erkannte bald, dass sein Verhalten nicht mehr tragbar war. Fünfundzwanzig Jahre des Trinkens hatten nicht nur seine Gesundheit gefährdet, sondern auch die Familie bedroht. Nur wenige Wochen später hätte er dem Tod nahe sein können und seine Frau sich möglicherweise von der kleinen Tochter getrennt.
In seiner letzten Phase war das Trinken mehr eine soziale Pflicht als ein Vergnügen. Der Körper war nur noch damit beschäftigt, hohe Giftstoffmengen zu ertragen. Um den Tremor während der Entgiftung zu vermeiden, hielt sich Peters bei einem Blutalkoholspiegel von 2,3 Promille auf.
Als er sich zur Behandlung ins Krankenhaus einwies, hatte er 2,3 Promille und fühlte sich nicht schlecht. Allerdings waren die Phasen mit 3 oder 3,5 Promille kritisch und erschöpfend.
Peters erinnert sich an seine Suchtzeit als monoton: Beschaffung von Alkohol, Konsum und Lügen, um den Konsum zu rechtfertigen. Er beschreibt, wie er nachts getrunken hatte und am nächsten Morgen zitternd erwachte.
Sein Buch “Entzug” ist ein Roman mit autobiografischen Elementen, da viele Details vergessen wurden und durch emotionale Empfindungen ersetzt werden mussten. Er hat sich selbst erforscht wie einen Fremden.
Peters erinnert sich an seine Bemühungen, den Kult um Johann Sebastian Bach und Murray Perahia zu pflegen. Trotz seiner Sucht versuchte er, seine Umgebung mit banalen Verstecken und Ausreden zu täuschen.
Er reflektiert über den Mythos des trinkenden Künstlers und betont, dass der Alkohol oft kreative Blockaden verursachte. Als er an einem Roman über einen islamistischen Terroristen arbeitete, musste er auf Alkohol verzichten.
Nach seiner Entwöhnung stellt sich Peters die Frage nach dem Ich, das weiterhin schreibt, und beschreibt seine frühe Wahrnehmungsneigung, für die der Alkohol eine Dämpfung war. Er spricht über den Schmerz des psychischen Entzugs und die Notwendigkeit, soziale Fähigkeiten neu zu erlernen.
Seine Frau zeigte ihm gegenüber strenge Zuneigung, was entscheidend für seine Genesung war. Peters betont, dass klare Grenzen hilfreicher sind als verharmlosende Verständnisgesten.
Heute trinkt Peters keinen Alkohol mehr und hat keine Sehnsucht danach. Er weiß aus Erfahrung: Ein Rückfall würde ihn schnell wieder in die Sucht führen.