Max Liebermann gilt als führender Vertreter des deutschen Impressionismus, der sich durch eine Vorliebe für Alltägliches auszeichnet. Im Museum Barberini wird diese Kunstform nun in ihrer ganzen Pracht präsentiert.
In den Gemälden herrscht stets Sommer vor: Blumen streben dem Licht entgegen und Sonnenflecken zieren die Wege. Besonders in den 1920er Jahren fasziniert Liebermann durch seine wiederholten Darstellungen des Gartens seines Berliner Sommersitzes, aus denen über zweihundert Gemälde hervorgingen.
In verschiedenen Variationen porträtiert er Beete und Blumen sowie Bäume, die sich anzunähern scheinen. Manchmal sind auch das Gartenhaus oder eine Gouvernante mit der Enkelin zu sehen. Im Barberini ist diesen Bildern ein eigener Raum gewidmet.
Die Ausstellung umfasst mehr als 120 Werke über zwei Etagen und zeigt Liebermanns Präsenz in verschiedenen Themenbereichen, die den deutschen Impressionismus bis Ende der 1920er Jahre beleuchten. Neben ihm begeistern auch Arbeiten von Künstlern wie Gotthardt Kuehl, Fritz von Uhde und anderen.
Liebermanns frühe Darstellungen des Amsterdamer Waisenhauses zeigen den Einfluss der holländischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Obwohl französische Impressionisten als Vorbilder dienten, kehrte er immer wieder zu seinen Motiven aus Holland zurück. Rembrandt blieb ihm ein wichtiger Maßstab.
Im Gegensatz zum französischen Impressionismus zeichnet sich der deutsche durch die Darstellung alltäglicher Szenen wie strickender Frauen, Marktszenen oder Altenheime aus. Gotthardt Kuehl teilt dieses Interesse und zeigt seine Nähe zu Vermeer in seiner Vorliebe für Farbkombinationen und Lichtinszenierungen.
Kuehl stellt ebenfalls Waisenhäuser dar und inszeniert Szenen mit hellem Licht, das aus der Dunkelheit hervortritt. Das Licht modelliert die Welt als aktiven Vorgang des Sehens.
Die malerische Virtuosität ist auch eine Reaktion auf neue Bildmedien wie Fotografie und Film, ein Aspekt, den Ausstellung und Katalog kaum thematisieren. In einem Lübecker Waisenhaus-Bild schafft Kuehl mit Farbauftrag einen plastischen Effekt.
Ein weiteres Werk zeigt die Augustusbrücke bei Nacht, beeindruckend in seiner malerischen Technik. Die Annahme, Impressionismus sei vor allem Pleinairmalerei, wird heute als zu einfach angesehen.
Als Liebermann seine Gartenbilder schuf, war er bereits eine etablierte Künstlerpersönlichkeit und Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Seine Werke von 1928 sind daher kaum mehr avantgardistisch im heutigen Sinne.
Muss man sich einem Avantgarde-Diktat überhaupt fügen? Die Ausstellung selbst ist beeindruckend, doch hätte der begleitende Katalog mutiger und ausführlicher sein können. Die Präsentation bleibt dennoch ein optisches Highlight.