Pablo Salido Pulido verschwindet in dem Moment, wenn das Orchester die ersten Töne spielt, der Vorhang aufgeht und die Scheinwerfer an. Er agiert im Dunkeln hinter den Kulissen wie ein Phantom, obwohl er doch stets präsent war: Seit Wochen und Monaten, Tag für Tag, Probe um Probe. Bereits im Dezember 2025 begann seine Reise mit jungen Sängern des Internationalen Opernstudios in Italien, wo er ihnen Puccinis “Gianni Schicchi” beibrachte und sie in der italienischen Aussprache unterrichtete. Später ersetzte er am Klavier das gesamte Orchester und brachte die Stimmen von fünfzig Musikern in seinen zehn Fingern zum Klingen – vom Querflötenpart bis hin zum Kontrabass. Im letzten Probenstadium leuchtete ein Lichtkegel auf seine Partitur, während er den Dirigentin Ustina Dubitsky assistierte und Anmerkungen machte.
Salido Pulido selbst beschreibt sich als “externes Ohr der Dirigentin” oder gar als Psychologe der Sänger. Sein offizieller Titel lautet Korrepetitor, eine Rolle, die das musikalische Zentrum jeder Opernproduktion darstellt. Obwohl er dem Publikum unbekannt bleibt, sind alle musikalischen Fäden in seiner Hand.
Bereits als Kind merkte der Madrilene seine Begabung, andere zu unterstützen – eine Leidenschaft, die seinen Traum vom Astronauten überholte. Während er Klavier studierte, begleitete er Mitschüler wie von selbst und entdeckte seine Fertigkeit im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten. Nach seinem Studium in Triest schloss er ein weiteres Studium als “maestro collaboratore” ab.
In seiner Funktion kam Salido Pulido vor zwei Jahren ans Internationale Opernstudio des Zürcher Opernhauses und gewann tiefe Einblicke neben der Bühne und im Orchestergraben. Mit der 157-seitigen Partitur von “Gianni Schicchi” ausgestattet, beherrscht er jede musikalische Nuance. Seine Aufgabe erfordert oft psychologisches Geschick, da Sänger ihre eigene Stimme verzerrt hören und nicht immer mit Kritik umgehen können.
Trotz der Herausforderungen bleibt Salido Pulido loyal und dient der Musik ohne dabei selbst im Rampenlicht zu stehen. Sein Beruf erfordert Anpassungsfähigkeit und Hintergrundarbeit, die oft übersehen wird. Nach vier Monaten intensiven Übens und Proben steht nun “Gianni Schicchi”, eine Erbschaftskomödie von Puccini, als Abschlussproduktion an.
Mit dem begeisterten Schlussapplaus überrascht Dirigentin Ustina Dubitsky den unsichtbaren Musiker auf der Bühne. Unter Scheinwerferlicht steht er sichtbar und lächelnd da – der gute Geist der Oper.