Nach einem Hantavirus-Ausbruch auf der «Hondius» setzt sich die Evakuierung in Teneriffa fort und nähert sich dem Abschluss. Passagiere und Crewmitglieder mussten Schutzkleidung tragen, um von Bord zu gehen. Die WHO rät zu einer 42-tägigen Quarantäne für Kontaktpersonen. Epidemiologe Jürg Utzinger erläutert die harten Massnahmen der Gesundheitsbehörden.
Jürg Utzinger, Direktor des Swiss TPH und Professor an der Universität Basel, verfügt über umfangreiche Erfahrung in Umweltnaturwissenschaften und Epidemiologie. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Princeton University leitet er das Institut seit 2015.
SRF News fragt, ob die strengen Massnahmen gerechtfertigt sind. Utzinger erklärt, dass eine gemeinsame Strategie von WHO, nationalen Behörden und dem ECDC diese Schritte für notwendig hält, auch wenn das Pandemie-Risiko minimal sei. Die WHO betont, dass es sich nicht um ein neues Covid handelt.
Eine besondere Herausforderung war der Fall eines Passagiers auf Tristan da Cunha, der medizinisch versorgt werden musste. Utzinger sieht darin das Spannungsfeld zwischen individueller Versorgung und Public-Health-Schutz. Die WHO reagierte proaktiv: Ihr Direktor besuchte Teneriffa persönlich. Dies unterstreicht die Bedeutung der Situation, da Hantaviren eine hohe Sterblichkeit aufweisen können.
Die Evakuierung in Teneriffa lief nach Plan, doch Diskussionen über die Verhältnismässigkeit bleiben bestehen. Die WHO muss ein Gleichgewicht zwischen Überreaktion und Untätigkeit finden. Erinnerungen an die Corona-Pandemie beeinflussen ebenfalls das Vorgehen.
Das Gespräch führte Raphaël Günther.
SRF 4 News, 11.5.2026, 7:21 Uhr