Kurt Schwitters, ein Solitär der Avantgarde, ist bekannt für seinen innovativen Umgang mit Sprache und Kunst. Das Zentrum Paul Klee widmet ihm eine umfassende Ausstellung.
Die «Ursonate», ein Meisterwerk von Schwitters, beginnt mit dem markanten: «Fümms bö wö tää zää Uu, pögiff, kwii Ee. Oooooooooooooooooooo». Zwischen 1923 und 1932 in mehreren Versionen entwickelt, zeigt sie Schwitters in einer Filmaufnahme von 1932 in Anzug und Krawatte, wie er präzise Laute intoniert. Tiefer Ernst gepaart mit untergründigem Humor kennzeichnet seine Darbietung.
Seine Werke zählen zu den singulären Schöpfungen der deutschen Avantgarde. Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee in Bern ermöglicht es, die «Ursonate» zu erleben, Schwitters’ populärstes Werk. Trotz seiner bedeutenden Beiträge zur Kunst ist er weniger bekannt als andere Avantgardisten.
Die Schau präsentiert den facettenreichen Schwitters mit seinen Gemälden, Collagen, Grafiken und Textkunst. Der Merzbau, eine Raumskulptur der 1920er Jahre, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist nur über Fotografien dokumentiert. Im Museum kann das fragile Innere dieses hölzernen Baus besichtigt werden.
Schwitters’ Kunst spiegelt oft die Zerrissenheit seiner Zeit wider und entwickelte sich unabhängig von seinen Absichten in diese Richtung. Sein Begriff «Merz», aus einem Collageschnipsel entstanden, steht für Commerz, Schmerz und Ausmerzung – ein Konzept, das gesellschaftliche Verwerfungen in die Kunst integriert.
Seine frühen abstrakten Ölbilder und Collagen sind wie ein Strudel aus Farben, Worten und Objekten. Geboren 1887 als Sohn eines Geschäftsmannes, erhielt Schwitters eine bürgerliche Erziehung. An der Königlich Sächsischen Akademie in Dresden lernte er Malerei.
Seine klassische Bildausbildung beeinflusste seine Kunst stets. Während seines Exils ab 1937 finanzierte er sich durch Porträtaufträge und Landschaftsverkäufe. Sein bürgerliches Auftreten, oft in Anzug und Krawatte, prägte sein öffentliches Bild.
Schwitters nahm Impulse aus Dadaismus, Konstruktivismus und Futurismus auf, blieb aber seiner individuellen Kunst treu. Die Sprache spielte eine zentrale Rolle in seinem Schaffen als Autor und Dichter, was sich auch in seinen Manifesten widerspiegelt.
Die Ausstellung zeigt Schwitters’ beeindruckende Werbegrafik und Typografie. Seine Texte vermitteln oft eine melancholische Absurdität gegenüber den Herausforderungen des Lebens.
Trotz der Etikettierung als «entarteter Künstler» im Nationalsozialismus floh Schwitters 1937 nach Norwegen und wurde später in England interniert. Gesundheitlich angeschlagen verstarb er 1948, kurz bevor er sich in einem neuen Merzbau niederließ.
Kurt Schwitters: Grenzgänger der Avantgarde. Zentrum Paul Klee, Bern, bis 21. Juni. Publikation Fr. 49.–.