Demograf Paul Morland sieht aufgrund der niedrigen Geburtenrate eine Katastrophe für die Menschheit nahen. Er betont, dass solche Umstände in der Menschheitsgeschichte noch nie existierten. Morland ist bekannt für seine düsteren Prognosen und sprach kürzlich am St.-Gallen-Symposium. Im Gespräch mit Journalisten erklärte er: “Wenn es so weitergeht, wird die gesamte Menschheit aussterben. Wir weißen Europäer werden zu den Ersten gehören.” Morland sieht die Bekämpfung des Geburtenrückgangs als entscheidende Aufgabe für das Überleben der Gesellschaften.
Als Beispiel nennt er Südkorea, wo auf hundert Menschen in der nächsten Generation nur vierzig und in der übernächsten nur sechzehn folgen werden. Die Situation ist extrem, aber andere Länder nähern sich ähnlichen Zahlen. Ohne eine Umkehr könnten innerhalb von zwei Generationen 84 Prozent der Bevölkerung verloren gehen.
Er weist darauf hin, dass die Weltbevölkerung in den letzten hundert Jahren stark angestiegen ist und nun abnehmen wird, was gravierende Probleme mit sich bringt. Japan beispielsweise hatte 1960 neun Erwerbstätige pro Rentner; bei der Rückkehr auf eine Bevölkerungszahl von 100 Millionen wird das Verhältnis eins zu eins sein. Morland betont, dass die Schulden Japans diese Entwicklung nicht überleben könnten.
Moderne Länder wie Japan und Südkorea funktionieren trotz niedriger Geburtenraten noch, aber Morland vergleicht dies mit einem Sprung aus einem Hochhaus: “Bis jetzt ist alles gut” seien die letzten Worte vor dem Aufprall. Historisch gab es nie eine so anhaltende globale Entwicklung wie heute.
Frühere Bevölkerungsrückgänge, etwa durch die Pest im Mittelalter, waren anders gelagert: Sie betrafen alle Altersgruppen und führten zu einem Wohlstandsgewinn. Einen freiwilligen Verzicht auf Kinder gab es nie so lang anhaltend wie heute.
Die Schweiz kompensiert ihre Probleme durch starke Zuwanderung, was Morland als “biologischen Imperialismus” bezeichnet, da dadurch Fachkräfte aus anderen Ländern fehlen. Er fordert auch für Europa, dass einheimische Bevölkerungsgruppen sich um ihren Fortbestand sorgen dürfen.
Morland plädiert für Pronatalismus als Überlebensstrategie und betont die Notwendigkeit der Elternarbeitsteilung zwischen Männern und Frauen. Er argumentiert, dass ein Rückgang der Kinderzahl nicht mit Bildungsfortschritt unvereinbar sein sollte, sondern durch gesellschaftliche Anpassungen gelöst werden könne.