Eine Sammlung alter Texte des Neuen Testaments, die als Briefe des Apostels Paulus gelten, wurde nach über 1500 Jahren wiederentdeckt. Diese Schriften stammen aus dem 6. Jahrhundert und waren Teil eines Werkes namens «Codes of Jerusalem» oder «Codex Hierosolymitanus». Zwischen den Jahren 10 und 13 wurden die Briefe auf dem Berg Athos in Griechenland auseinandergetrennt, wobei ihre Spur verloren ging. Der Grund für diese Trennung lag darin, dass Pergament im Mittelalter ein seltenes Gut war und daher wiederverwendet wurde, um andere Bücher zu binden oder Vorsatzblätter herzustellen.
Fragmente des Kodex wurden weltweit in Bibliotheken verstreut gefunden, darunter in Griechenland, Italien, Russland, der Ukraine und Frankreich. Unter Leitung von Professor Garrick Allen von der Universität Glasgow konnte ein Team diese Fragmente mittels moderner Bildbearbeitungstechniken wieder sichtbar machen. Dabei wurden Abdrücke der Tinte auf den gegenüberliegenden Seiten ausgenutzt sowie Kohlenstoff-14-Datierungen und Vergleiche mit weniger beschädigten Blättern aus einem Athos-Kloster durchgeführt.
Das griechisch verfasste Manuskript zeigt, dass der biblische Text im 6. Jahrhundert noch nicht feststand; Kopisten fügten Varianten und Anmerkungen hinzu. Die heutige Gliederung in Kapitel und Verse unterschied sich zudem beträchtlich von den damaligen Strukturen.