In der Debatte um die Vor- und Nachteile von Teilzeitarbeit stehen oft die sofortigen Konsequenzen im Vordergrund, wie beispielsweise geringeres Einkommen oder mehr Freizeit. Weniger beachtet werden jedoch die langfristigen Auswirkungen auf Rentenansprüche durch eine Reduktion des Arbeitspensums.
Das VZ Vermögenszentrum hat für SRF berechnet, wie sich unterschiedliche Entscheidungen zur Pensumsreduktion auf die Rentenansprüche einer Modellperson auswirken. Die Berechnung basiert auf vereinfachten Annahmen, darunter ein konstanter Basislohn von 100’000 Franken über die Zeit.
Im Beispiel “Vollzeit” arbeitet die Modellperson ihr gesamtes Arbeitsleben lang mit 100 Prozent Pensum. Im Szenario “Altersteilzeit” reduziert sie ab dem Alter von 55 Jahren auf 60 Prozent, während im Fall “Familienteilzeit” das Pensum bereits bei 35 Jahren auf 40 Prozent sinkt und später wieder aufgestockt wird.
Die monatlichen Rentenunterschiede fallen beträchtlich aus, bis zu 1’300 Franken. Edith Siegenthaler von Travailsuisse weist darauf hin, dass viele Arbeitnehmende die langfristigen finanziellen Konsequenzen der Teilzeitarbeit auf ihr Budget oft nicht vollständig erkennen. “Man hat viele Nachteile: weniger Lohn, eine tieferere Rente und oftmals geringere Karrieremöglichkeiten”, erklärt Siegenthaler, wobei sie betont, dass die Modellrechnung verschiedene Variablen außer Acht lässt.
Patrick Chuard-Keller vom Schweizerischen Arbeitgeberverband kritisiert, dass Arbeitnehmende oft die langfristigen finanziellen Folgen nicht bedenken. Dies sei teilweise auf den niedrigen Stellenwert der finanziellen Bildung in der Schweiz zurückzuführen. “Da muss man ansetzen”, ist er überzeugt und glaubt, dass dies dazu beitragen könnte, mehr Menschen zu motivieren, mit höherem Pensum zu arbeiten.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie sich Einstellungen zur Arbeit verändern können. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es Kampagnen gegen das “Doppelverdienertum”, also den Fall, dass verheiratete Frauen einer Erwerbsarbeit nachgingen. Nach dem Krieg und aufgrund des Wirtschaftsbooms war der Bedarf an Arbeitskräften hoch – viele Frauen wurden teilzeitweise rekrutiert.