Die Schweizer Landwirtschaft erlebt einen signifikanten Wandel: Jeden Tag schließen zwei Betriebe ihre Türen, was zu einem kontinuierlichen Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe um ein Drittel seit dem Jahrtausendwechsel geführt hat. Laut der landwirtschaftlichen Strukturerhebung 2025 des Bundesamtes für Statistik schlossen im letzten Jahr 805 Betriebe, was über zwei pro Tag entspricht. Während vor 25 Jahren noch mehr als 70.000 Betriebe existierten, sind es heute nur noch 46.270.
Gleichzeitig wachsen die verbleibenden Betriebe an Fläche: Die durchschnittliche Nutzfläche ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Hektaren auf 23 Hektaren gestiegen und hat seit dem Jahr 2000 pro Betrieb um fast 50 Prozent zugenommen. Diese Entwicklung wird vom Bundesrat unterstützt, da sie wirtschaftlich vorteilhafte Skaleneffekte mit sich bringt: Weniger Betriebe können die Fläche produktiver bewirtschaften, was Wettbewerbsfähigkeit und Spezialisierung fördert.
Kilian Baumann, Präsident der Kleinbauern-Vereinigung und Grüner Nationalrat, sieht darin jedoch Risiken. Er argumentiert, dass eine immer kleiner werdende Zahl von einseitig spezialisierten Betrieben Abhängigkeiten schaffe, Resilienz schwäche und die Versorgungssicherheit gefährde. Dies könnte die Akzeptanz für Direktzahlungen in der Bevölkerung beeinträchtigen.
Mit der Agrarpolitik 2030+ plant der Bundesrat, den Strukturwandel weiter zu beschleunigen. Landwirtschaftsminister Guy Parmelin präsentierte Pläne, um die Schwellenwerte für Direktzahlungen anzuheben und so Flächenwachstum zu ermöglichen. Bisher mussten Betriebe mindestens 0,2 SAK-Punkte erreichen; dies soll “substanziell” erhöht werden.
Die Kleinbauern-Vereinigung befürchtet, dass durch diese Maßnahmen zahlreiche Betriebe von Direktzahlungen ausgeschlossen und somit in ihrer Existenz bedroht wären. Die Sprecherin des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), Florie Marion, betont jedoch, dass noch kein Entscheid über die Anhebung getroffen wurde. Diese würde hauptsächlich kleine Betriebe betreffen, die die Landwirtschaft als Hobby betreiben.
Die Diskussion beschränkt sich derzeit auf Talbetriebe; Bergbetriebe wären laut Marion nicht betroffen. Eine Umsetzung wäre frühestens 2030 denkbar.
Das anhaltende Hofsterben wird durch das bevorstehende Rentenalter vieler Betriebsleiter noch verstärkt, was oft zur Aufgabe des Betriebes führt, wenn keine Nachfolge aus der Familie gesichert ist. Baumann fordert daher bessere Möglichkeiten für ausserfamiliäre Hofübergaben und eine Strategie zum Generationenwechsel.
Zusätzlich möchte er die Verteilung der Direktzahlungen ändern: Ab einer Summe von 100.000 Franken sollten Subventionen degressiv abgestuft werden, um das eingesparte Geld kleineren Betrieben zukommen zu lassen. Der Bundesrat unterstützt diese Idee grundsätzlich, will sich jedoch noch nicht festlegen, wie die Mittel verwendet werden sollen. Das Parlament wird in Kürze über den Vorschlag beraten.