Die Gastro-Gruppe ZFV wurde als attraktivster Arbeitgeber der Schweiz ausgezeichnet. Nadja Lang, CEO des Unternehmens, spricht über die Bedeutung unkonventioneller Ideen und wie sie Einsamkeit an der Spitze vermeidet.
Warum zieht es Menschen in ein Unternehmen und nicht in ein anderes? Welchen Einfluss hat das Management darauf? Nadja Lang leitet als CEO die ZFV-Genossenschaft, die ursprünglich im Jahr 1894 vom Zürcher Frauenverein gegründet wurde. Das Unternehmen mit seinen 161 Betrieben umfasst unter anderem Personalrestaurants der UBS und Uni-Mensen sowie das Parlamentsrestaurant.
Frau Lang, wie gelingt es Ihnen, die Werte des alten Frauenvereins in die Zukunft zu übertragen? Die Gründungsväterinnen waren ihrer Zeit weit voraus. Diese fortschrittlichen Frauen hätten sicherlich auch heute noch innovative Ansätze verfolgt. Damals war Alkohol ein grosses Problem; es herrschte häusliche Gewalt und schlechte Arbeitsbedingungen in der Gastronomie für Frauen. Daraufhin entstand die erste alkoholfreie Kaffeestube, was erfolgreich war.
Heute liegt unser Fokus darauf, inspirierende Begegnungsorte zu schaffen, gesunde Ernährung und Chancengerechtigkeit zu fördern – eine moderne Übersetzung der Geschichte.
Nach dem Gewinn des Swiss Arbeitgeber Award fragt sich Lang: Was macht ZFV aus? Die Unternehmenskultur ist entscheidend. Sie prägt das tägliche Erleben und Gefühl der Mitarbeiter.
Lang nennt das Schwierigste an ihrem Job, Nein sagen zu müssen – eine Herausforderung in ihrer Rolle als CEO. Doch durch Verständnis für die Strategie und Anerkennung, auch abseits von Zahlen, bleibt Motivation erhalten. Neben Umsatz- und Ebit-Messungen wird auch das Teamwachstum gemessen.
Die Fähigkeit, mit Scheitern umzugehen, ist ebenso wichtig. Nur durch ausprobierte Ideen lassen sich Innovationen entdecken. Daher sind Debriefings nach Projekten essenziell und Feedbackkultur zu etablieren.
Lang schafft regelmässige Gespräche mit neuen Führungskräften, um deren Perspektiven einzufangen. Die effektive Nutzung der Zeit erkennt sie daran, ob 70 bis 80 Prozent des geplanten Tagesziels erreicht werden.
Ein gutes Team zeichnet sich durch ein gemeinsames Ziel und gegenseitige Unterstützung aus, wobei psychologische Sicherheit unerlässlich ist. Warnsignale sind Konflikte oder fehlende kritische Auseinandersetzungen. Bei Teamproblemen spricht sie die Themen an.
Konflikte auf der Geschäftsleitungsebene sollen intern gelöst werden; andernfalls greift Lang ein, um potenzielle Störfaktoren zu minimieren. Häufige Führungsfehler sind mangelnde Kommunikation und unzureichende Miteinbeziehung. Feedback ist zweidimensional: sowohl von oben nach unten als auch umgekehrt.
Lang erkennt, dass nicht alle Lebensentwürfe bedient werden können, aber ein Kompromiss bei 80 Prozent der Anforderungen ausreichend sein kann. Unter Druck bleibt sie ihrer langsameren Entscheidungsweise treu und nutzt ihre Sparringpartner zur Reflexion.
Die Rolle einer CEO ist vielschichtig: Von alltäglichen Aufgaben bis zu strategischen Entscheidungen erfordert es, die richtigen Prioritäten zu setzen. Trotz der Herausforderung investiert Lang in ein unterstützendes Umfeld.
Abschliessend sieht Lang den Geschmackswandel in Richtung gesundere Ernährung als positiven Trend – auch wenn Schnipo nach wie vor beliebt ist.