Konstantin Krimmel, ein aufstrebender Bariton, erbt das Vermächtnis von Größen wie Hermann Prey und Dietrich Fischer-Dieskau. Dies bestätigt sich besonders bei den Jubiläumskonzerten der Schubertiade. Obwohl die Bedeutung solcher Ereignisse oft erst rückblickend klar wird, war die erste Schubertiade 1976 ein historischer Meilenstein. Hermann Prey hatte damals ambitionierte Pläne für das Festival in Hohenems angekündigt – die Aufführung von Schuberts Gesamtwerk in chronologischer Reihenfolge sollte ab 1978 beginnen, doch finanzielle Herausforderungen führten letztlich zu seinem Rücktritt.
In den darauffolgenden Jahrzehnten hat sich das Festival stark entwickelt und ist heute ein führendes Event für Liedgesang und Kammermusik. Diese Transformation verdankt man maßgeblich Gerd Nachbauer, dem seit 1980 am längsten tätigen Intendanten weltweit. Er fokussiert sich auf junge Talente sowie bewährte Künstler.
Zur Feier des Jubiläums hat Nachbauer eine genaue Rekonstruktion des Programms der ersten Schubertiade ins Leben gerufen, was die Entwicklung des Festivals verdeutlicht. Konstantin Krimmel übernahm dabei einen Großteil des sängerischen Programms von Hermann Prey aus dem Jahr 1976. Trotz seiner noch jungen Karriere gilt er als einer der bedeutendsten Liedinterpreten seiner Generation und zählt zu den gefragtesten Schubertiade-Künstlern.
Im Markus-Sittikus-Saal, vor seinem Konzert, spricht Krimmel über seine tiefe Verbundenheit zum Lied. Sein künstlerisches Zuhause ist ein Camper, der ihm die Unabhängigkeit bietet, die er von Hotel zu Hotel bevorzugt. Er entdeckte die „Wunderwelt des Liedes“ während seines Studiums in Stuttgart und wurde durch den Gewinn des Helmut-Deutsch-Wettbewerbs 2018 sowie sein Debüt bei der Schubertiade im Jahr darauf bekannt.
Obwohl Krimmel Hermann Prey nicht live erlebte, inspirierten ihn dessen Erzählungen. Sein Fokus liegt auf einem eigenen Interpretationsweg und einer intensiven Auseinandersetzung mit den Liedtexten, die er auswendig lernt. Diese Technik ermöglicht es ihm, Geschichten ohne Notenblatt zu vermitteln. Auch bei der Aufführung selten gespielter Werke im Eröffnungskonzert zeigt Krimmel eine beeindruckende Bandbreite und Intensität.
Krimmel strebt nach Natürlichkeit in seiner Interpretation, was durch seine Baritonlage unterstützt wird. Als künstlerisches Vorbild nennt er den Schlager- und Operettensänger Peter Alexander wegen dessen natürlicher Ausdrucksweise. Neben dem Liedgesang ist Krimmel auch im Bereich der Oper aktiv, wo er in München Ensemblemitglied ist und vor allem in Mozart-Opern brilliert. Doch die künstlerische Erfüllung findet er im Lied, wo er allein mit einem Begleiter komplexe Emotionen vermitteln kann. Weitere Konzerte mit Krimmel finden am 21., 23. Juni und 22. August in Schwarzenberg statt.