Der Verkaufsstart einer neuen Sonderkollektion von Swatch in Zusammenarbeit mit Audemars Piguet hat weltweit für chaotische Szenen gesorgt. Besonders in Frankreich eskalierte die Lage, was zur vorübergehenden Schließung mehrerer Filialen führte.
Die neue “Royal Pop”-Kollektion des Schweizer Uhrenherstellers Swatch in Kooperation mit der Luxusmarke Audemars Piguet löste am Wochenende in Frankreich und anderen Ländern chaotische Szenen aus. Die Sonderedition, die sowohl an die frühere Pop Swatch als auch an die legendäre Royal Oak von Audemars Piguet erinnert, war in Frankreich nur in achtzehn ausgewählten Geschäften erhältlich und kostete rund 400 Euro – einen Bruchteil im Vergleich zu den Originalmodellen der Luxusmarke, welche mehrere Zehntausend Euro kosten.
Der enorme Hype um die Kollektion führte bereits Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart zu langen Warteschlangen. Viele Interessenten campierten Tage im Voraus vor den Geschäften, in der Hoffnung, eines der Modelle sichern zu können.
Der Andrang war besonders groß, da viele Käufer auf einen lukrativen Weiterverkauf spekulierten. Kurz nach Verkaufsbeginn wurden zahlreiche “Royal Pop”-Modelle auf der Online-Plattform Vinted bereits zum Zwei- bis Dreifachen des ursprünglichen Preises angeboten.
In Frankreich geriet die Situation außer Kontrolle. Vor einem Pariser Einkaufszentrum sammelten sich nach Polizeiangaben am Samstagmorgen rund 300 Menschen vor dem Swatch-Store, noch bevor dieser öffnete. Als der Verkaufsstart näher rückte, drängten die Käufer nach vorn, woraufhin Einsatzkräfte Tränengas einsetzten, um die Menge zurückzudrängen. “Die Leute konnten sich nicht mehr zurückhalten und begannen zu schreien, weil niemand seinen Platz in der Schlange verlieren wollte”, berichtete ein Wartender dem Fernsehsender RTL. Der Verkauf wurde letztlich gestoppt.
Auch in anderen französischen Städten kam es zu Tumulten. In Lille erlitten mehrere Käufer Schläge, während sie in der Warteschlange standen. Die Stadt kündigte rechtliche Schritte gegen Swatch wegen Behinderung des öffentlichen Verkehrs an. Ein stellvertretender Bürgermeister äußerte sich zu den Überforderungen der Sicherheitskräfte durch den Menschenandrang, bei dem sich mehr als 400 Käufer versammelten.
In Lyon löste die Polizei eine Menge von etwa 250 Personen wegen übermäßigen Andrangs auf. Auch in Marseille mussten wartende Kunden aufgefordert werden, den Bereich vor dem Geschäft zu verlassen. In Bordeaux sammelten sich große Gruppen weiterhin vor der Swatch-Filiale, nachdem die “Royal Pop”-Modelle ausverkauft waren.
Aus Sicherheitsgründen blieben zahlreiche Filialen in Frankreich den gesamten Tag geschlossen. Swatch Frankreich erklärte auf Instagram, dass die Schließungen aus “Gründen der öffentlichen Sicherheit” erfolgten. Das Unternehmen gab keine Details zu den verfügbaren Stückzahlen oder zur Dauer der Verkaufsaktion bekannt und betonte nur, dass pro Person, Tag und Geschäft jeweils nur eine Uhr verkauft werden sollte.
Auch in anderen Ländern kam es zu Unruhen. In New York berichteten Besucher des Swatch-Stores am Times Square von chaotischem Gedränge. Ein Wartender verglich die Situation mit einem “Moshpit”, einem Begriff aus der Metal- und Punk-Szene für wildes Getümmel vor der Bühne. Viele Käufer hatten sich dort über Tage hinweg angestellt, teilweise sogar mehrere Tage vor der offiziellen Öffnung campiert.
In Deutschland musste die Polizei in Düsseldorf und Köln zeitweise eingreifen, bevor die Geschäfte geschlossen wurden. In Mailand kam es laut Medienberichten bei Ladenöffnung zu einer Schlägerei, während Swatch in Großbritannien vorsorglich mehrere Filialen schloss. Am Sonntag betonte Swatch nochmals, dass die Royal-Pop-Kollektion nicht limitiert sei und mehrere Monate erhältlich sein wird. Für Wiederverkäufer zählt jedoch vor allem der erste Verkaufstag: Dann zahlen manche Käufer hohe Aufpreise, nur um die Uhr sofort zu haben.