Das diesjährige Berliner Theatertreffen stand unter keinem besonders guten Stern, zeigte jedoch bemerkenswerte schauspielerische Darbietungen. Die Veranstaltung endete mit einer Überraschung: Der Verzicht auf die Frauenquote ab dem kommenden Jahr. Die Entscheidung, das Wort «bemerkenswert» als Maßstab zu verwenden, hat eine lange Tradition beim Berliner Theatertreffen. Juroren aus der Kritikerszene wählen nicht die besten Aufführungen einer Saison, sondern solche, die sie für bemerkenswert halten – ein Ansatz, der sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt. In diesem Jahr beinhaltete das Programm zwölf Werke aus über tausend gesichteten Produktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Qualität war durchwachsen: Während einige Stücke wie «Three Times Left is Right» von den Wiener Festwochen enttäuschten, gab es auch herausragende schauspielerische Leistungen. Die insgesamt 30. Auflage zeigte eine Vielfalt an Themen, darunter Mephisto (Münchner Kammerspiele), Il Gattopardo (Zürich) und Fräulein Else (Volkstheater Wien). Diese Werke reflektierten die aktuelle gesellschaftliche Stimmung mit Pessimismus und düsteren Bildern, verknüpften dabei Vergangenheit und Gegenwart. Die Schauspielkunst jedoch reagierte auf diese Talfahrt der Welt mit einer fast zärtlichen Verzweiflung und zeigte Empathie. Hervorzuheben sind die Darbietungen von Markus Scheumann als sizilianischer Fürst, Julia Riedler in «Fräulein Else» oder Guido Lambrecht in Michel Houellebecqs «Serotonin». Diese Schauspieler demonstrierten eindrucksvoll ihre Fähigkeit, intensive Geschichten zu erzählen und sich dabei selbst zu reflektieren. Die Veranstaltung hinterließ den Eindruck, dass das Theater auch heute noch seine Erzählkraft beweist. Es bedarf keiner spektakulären Effekte, sondern der Texte und Stimmen sowie der Kunst des unaufgeregten Schauspiels. Dabei zeigen sich die Darsteller verletzlich und authentisch. Eine organisatorische Überraschung ergab sich durch den Verzicht auf die Frauenquote ab 2023. Dieser Entscheidungsgrund: ein uneingeschränkter Fokus auf das künstlerisch Bemerkenswerte, unabhängig vom Geschlecht der Künstler, während gleichzeitig im Hintergrund genauer hingesehen werden soll, was in der Branche gut oder schlecht läuft. Ein bemerkenswerter Schritt.