Samuel Buri erwarb vor einem Jahr ein Sofa bei XXXLutz und wartet nun seit zehn Monaten auf die Reparatur der Rückenlehne. Trotz mehrfacher Reklamation, sowohl per Post als auch E-Mail, hat sich bislang nichts getan, wie Buri bestätigt. Er ist nicht allein mit seinen Beschwerden: Die «Kassensturz»-Publikumsredaktion meldete eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Klagen über XXXLutz in kürzester Zeit.
Ein weiterer Fall betrifft die Familie Kocic, die sich einen Traum erfüllt hat mit einer neuen Küche von XXXL. Sechs Monate nach der Installation steht die Küche jedoch immer noch unfertig da. Die Liste der Mängel ist lang: fehlende Abdeckungen und Griffe, falsch montierte Platten sowie hervorstehende Schränke und ein schlecht befestigter Dunstabzug. Aufgrund dieser Probleme konnten die beiden Kleinkinder der Familie für mehrere Wochen nicht in der Küche essen.
Daniel Kocic hat 31 E-Mails geschickt und sich persönlich bei XXXLutz beschwert, jedoch ohne Erfolg. Mirjana und Daniel Kocic sind frustriert, da sie 21’000 Franken im Voraus für die defekte Küche bezahlt haben.
Seit 2018 expandiert der österreichische Möbelkonzern XXXLutz in der Schweiz. Neben acht eigenen Filialen gehören auch Mömax sowie Möbel Pfister, Lipo und Conforama dazu. Diese Unternehmen wurden von XXXLutz in den vergangenen Jahren aufgekauft, womit die Gruppe mit rund 70 Filialen zum Marktführer im Schweizer Möbelmarkt avancierte.
Schlechter Service und ein kaum erreichbarer Kundenservice sind auch das Problem der Stäubles. Sie kauften bei XXXLutz eine Wohnwand für 7100 Franken, die jedoch mit verzogenen Türen und einer falsch ausgemessenen Glasplatte geliefert wurde. Auch sie wurden umsonst vertröstet.
Gegenüber «Kassensturz» betont XXXLutz, dass es sich bei den beschriebenen Fällen um Einzelfälle handle. Die Reklamationsquote liege unter einem Prozent, so das Unternehmen.
Doch die hohe Anzahl an Beschwerden bei der «Kassensturz»-Redaktion und negative Bewertungen auf Plattformen wie Trustpilot mit über 60 Prozent schlechter Sterne geben ein anderes Bild wieder. Branchenkenner Yves von Ballmoos sieht in diesen Problemen einen Zielkonflikt: Unternehmen könnten nicht gleichzeitig preislich, im Service und in der Qualität führend sein. Wer besonders günstig anbiete, müsse zwangsläufig Abstriche machen.
Nachdem «Kassensturz» XXXLutz mit den Fällen konfrontierte, gab es Bewegung: Die Kocics erhielten einen Preisnachlass von 5000 Franken und die meisten Mängel in ihrer Küche wurden behoben. Auch bei Stäubles wurde eine zeitnahe Nachbesserung zugesichert.
SRF 1, Kassensturz, 19.05.2026, 21:10 Uhr;liea