Trotz ihres Namens hat die Mönchsgrasmücke weder mit Gras noch mit Mücken zu tun. «Der Name stammt vom althochdeutschen ‹gra smukka›, was so viel wie ‹grauer Schlüpfer› bedeutet», erklärt Livio Rey von der Vogelwarte Sempach. Dies rührt daher, dass sie häufig durch das Gebüsch schlüpft.
Die Mönchsgrasmücke ist etwa kohlsmeisengroß und zeigt eine graubraune Färbung mit einer charakteristischen Kappe, die an einen Mönchsmantel erinnert. Sie tendiert dazu, sich im Gebüsch zu verstecken, weshalb sie eher gehört als gesehen wird. Ihr Lebensraum umfasst Wälder, Parks und Gärten.
Laut dem Monitoring der Vogelwarte Sempach ist die Mönchsgrasmücke nun die häufigste Brutvogelart in der Schweiz. «Als typische Waldart profitiert sie von der Ausbreitung des Waldes in den Alpen sowie möglicherweise vom Klimawandel», führt Rey aus. Die Vögel ziehen nicht mehr so weit nach Süden wie früher, sondern bleiben gegebenenfalls auch im Winter bei mildem Wetter in der Schweiz.
Ein Teil der Mönchsgrasmücken überwintert zudem in Großbritannien, das aufgrund seiner milden Temperaturen und umfangreichen Vogelfütterung attraktiv ist.
Von den rund 200 Brutvogelarten in der Schweiz machen die zehn häufigsten Arten etwa die Hälfte aus. Von etwa zehn Millionen brütenden Vogelpaaren sind somit gut eine Million Mönchsgrasmücken, ungefähr 900’000 Buchfinken, rund 700’000 Rotkehlchen, circa 650’000 Tannenmeisen und etwa 600’000 Zaunkönige – nur um die häufigsten Arten zu nennen. Diese sind vorwiegend Waldbewohner.
In den letzten zehn Jahren ist der Bestand der Mönchsgrasmücke um zwanzig Prozent gestiegen, während sich die Zahl der Buchfinken um zehn Prozent verringerte. «Der Grund dafür ist uns nicht bekannt», sagt Rey. Da jedoch vor allem in tieferen Lagen unter 1000 Meter über Meer ein Rückgang zu verzeichnen war, könnte auch hier der Klimawandel eine Rolle spielen.
Einige Arten profitieren vom Klimawandel, während andere leiden, etwa weil ihre Lebensräume sich negativ verändern. So haben viele in landwirtschaftlichen Gebieten brütende Vogelarten stark abgenommen.
Langstreckenzieher, die jährlich mehrere tausend Kilometer bis in die Sahelzone fliegen, sind ebenfalls betroffen. Im Gegensatz dazu haben Kurzstreckenzieher und Waldbewohner wie die Mönchsgrasmücke zugenommen.
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