Der Iran-Krieg hat zu einer Knappheit an Kochgas in Indien geführt, was die Gastronomen Mumbais zwingt, sich anzupassen. Viele Restaurants haben schließen müssen oder ihre Menüs reduziert und sind zur Nutzung von Stromgeräten übergegangen. Ein Ende der Versorgungskrise ist nicht in Sicht.
Ratan Kumar Shetty erlebte den Ausfall des Gases in seinem Restaurant im Zentrum Mumbais, gegenüber dem Crawford Market. Früher verbrauchte sein Lokal acht Gasflaschen täglich für die Zubereitung von Gerichten wie Dosas und Idli. Doch der Stopp der Lieferungen infolge des Konflikts zwang ihn, über Nacht auf Elektrogeräte umzusteigen. Glücklicherweise verfügt Shetty auch über einen Laden für Küchenbedarf, wodurch er sich schnell mit neuen Geräten eindecken konnte, die nun jedoch knapp und teurer sind.
Shetty zeigt die Umstellung in der Küche: Der alte Dampfgarer ist durch ein kleineres Stromgerät ersetzt worden, was die Kapazität reduziert. So passen statt 32 nur noch 18 Idli hinein. Die Bratplatten sind kleiner, sodass anstelle von acht nun nur zwei Dosas gleichzeitig zubereitet werden können. Das gesamte Menu wurde angepasst; Chinesisch und Thali fallen weg.
Indien bezieht 60 Prozent seines Flüssiggases aus dem Ausland, wobei 90 Prozent über die Seestrasse von Hormuz transportiert werden müssen. Der Konflikt hat den Durchgang für Tanker blockiert, was zu einem direkten Mangel an Vorräten führte. Die Regierung entschied, Haushalte bei der Versorgung vorzuziehen, wodurch Fabriken und Gastronomen das Nachsehen haben.
Das nahegelegene Traditionslokal “Shree Thaker Bhojanalay” musste ebenfalls umstellen. Die Gerichte werden auf großen Messingplatten serviert, deren Zubereitung viel Energie erfordert. Mittags geöffnete Restaurants müssen nun erst am Abend öffnen, da das Gas nicht mehr für den täglichen Betrieb reicht.
Der Gassektor ist in Indien staatlich reguliert und beschränkt die Anzahl der Flaschen pro Monat. Ohne Lizenz oder bei erhöhtem Bedarf müssen Restaurants auf dem Schwarzmarkt zukaufen, wobei die Preise stark angestiegen sind.
Auch im Restaurant “Oor” wurde auf Induktion umgestellt. Kunden werden gebeten, Verständnis für längere Zubereitungszeiten zu haben, da weniger Platz zur Verfügung steht. Die Anschaffung der neuen Geräte war teuer und könnte verloren gehen, sobald wieder genug Gas vorhanden ist.
Es gibt keine klare Perspektive auf eine Lösung des Konflikts oder die Aufhebung der Blockade durch Iran. Experten rechnen damit, dass es Wochen dauern wird, bis die Infrastruktur in Katar repariert und die Produktion erhöht werden kann.
Die Krise unter Druck setzt auch Indiens Regierung um Narendra Modi. Die Opposition kritisiert ihre Haltung zum Konflikt. Modi wurde kürzlich mit einer Medaille durch Israels Ministerpräsident Netanyahu ausgezeichnet, was zu Kritik führte, da Modi traditionell gute Beziehungen zu Iran pflegte.
Kontakte zwischen Modi und dem iranischen Präsidenten Pezeshkian führten zur Erlaubnis für zwei indische Gastanker, die Strasse von Hormuz zu passieren. Doch für weitere feststeckende Schiffe steht eine Lösung noch aus, sodass viele Gastronomen weiterhin ohne Gas auskommen müssen.