An der deutschen Ostseeküste sorgt ein gestrandeter Buckelwal in der Lübecker Bucht bei Niendorf für Sorgen und Aufsehen. Seit Tagen ist das schwer verletzte Tier im flachen Wasser gefangen, und bisherige Rettungsversuche blieben erfolglos. Neue Hoffnung gibt es mit einer geplanten Aktion am Donnerstag. Über die Herausforderungen bei der Bergung sowie über die Chancen für den Wal informierte Stephanie Gross vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), das an den Rettungsarbeiten beteiligt ist.
Stephanie Gross, Tierärztin am ITAW in Büsum, beschäftigt sich mit der Gesundheit und dem Schutz von Wildtieren, insbesondere Meeressäugern. Sie erklärte die Komplexität der Rettung: Ein tonnenschweres Tier im Wasser zu bewegen, ist riskant und verletzungsgefährdend für das Wal selbst sowie für die Helfer.
Welche Optionen bleiben, um den Wal freizubekommen? Zuletzt wurde am Dienstag ein kleiner Saugbagger eingesetzt, um Sand abzusaugen und eine Rinne zu schaffen. Aktuell wird ein größerer Bagger auf einem Schwimmponton vorbereitet, um gezielt Sand wegzuräumen.
Ist das nicht ungewöhnlich? Laut Gross ist es üblich, bei gestrandeten Walen zu helfen, besonders angesichts der reduzierten Bestände vieler Arten durch Walfang. Solange die Chancen realistisch erscheinen, wird versucht zu assistieren.
Könnte es sein, dass der Wal bewusst zum Sterben kam? Diese Theorie kann nicht ausgeschlossen werden, da das Tier in Fischerleinen verwickelt war – obwohl sichtbare Leinen entfernt wurden, bleibt eine im Maul des Wals. Eine genaue Untersuchung ist jedoch nicht möglich.
Welche Rolle spielt Stress für den Wal? Dies wird kontinuierlich beobachtet; der Bereich wurde abgesperrt, um den Wal vor Schaulustigen zu schützen. Die Rettungsversuche sind stressig, daher werden die Reaktionen des Tieres genau überwacht und gegebenenfalls Maßnahmen abgebrochen.
Wie stehen die Chancen für die bevorstehenden Versuche am Donnerstag? Es besteht Hoffnung; der Wal ist nicht vollständig trocken, sondern scheint noch Wasser unter sich zu haben. Sollte er gesund sein und die Rinne erkennen können, könnte er selbständig ins Meer schwimmen.
Das Interview führte Julius Schmid für SRF 4 News am 23.3.2026 um 13 Uhr.