Volkswagen plant offenbar, Komponenten für das Raketenabwehrsystem Iron Dome zu produzieren. Dieser Rüstungsboom könnte Tausenden Mitarbeitern neue Perspektiven eröffnen.
“Das Geschäftsmodell, auf dem wir über Jahrzehnte gestanden haben, funktioniert in dieser Form nicht mehr,” äußerte VW-Chef Oliver Blume kürzlich bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. Der Konzern plant, bis 2030 insgesamt 50.000 Stellen abzubauen, darunter allein 35.000 bei der Marke Volkswagen.
Die deutsche Autoindustrie steht vor großen Herausforderungen, doch nun bietet der Aufschwung in der Rüstungsbranche neue Hoffnung. Laut Berichten könnte VW mit Rafael Advanced Defence Systems, dem israelischen Hersteller des Iron Dome-Systems, kooperieren – ein wichtiger Schritt in der Unternehmensumstrukturierung.
Die “Financial Times” berichtet, dass diese Partnerschaft die Schließung des Osnabrücker Werks mit 2300 Beschäftigten verhindern könnte. Dort wird das T-Roc Cabriolet gefertigt, dessen Produktion Ende nächsten Jahres endet.
Volkswagen soll demnach Lastwagen für den Raketentransport, Abschussvorrichtungen sowie Stromgeneratoren liefern, ohne jedoch selbst Waffen herzustellen. Ein VW-Sprecher bestätigte gegenüber Reuters, dass Waffengrundproduktion weiterhin ausgeschlossen bleibt.
Mitarbeiter sollen sich freiwillig an der Fertigung beteiligen können. Die deutsche Regierung unterstützt den Vorstoß, da die Transformation schnell und mit geringen Investitionen innerhalb von 12 bis 18 Monaten umgesetzt werden kann. Auch Rheinmetall zeigte Interesse am Osnabrücker Werk, lehnte jedoch eine Übernahme ab.
Das Luftabwehrsystem Iron Dome verspricht Potenzial aufgrund globaler Engpässe in diesem Bereich. Die EU-Länder haben ein Rüstungsprogramm im Wert von hunderten Milliarden Euro angekündigt, das diesen Sektor priorisiert.
Die 2002 entwickelte Iron-Dome-Raketenabwehr bewährte sich unter anderem im Gaza-Krieg gegen Raketenangriffe der Hamas. Die vergleichsweise kostengünstige Technologie ist für kürzere Reichweiten ausgelegt. Während eine Abwehrbatterie rund 50 Millionen Dollar kostet, sind die Abschusskosten pro Rakete mit etwa 50.000 Dollar geringer.
Rafael plant, Iron Dome in Europa zu etablieren und konnte kürzlich einen Jahresumsatz von 5 Milliarden Dollar vermelden, während die offenen Aufträge bereits 20 Milliarden erreichen.
Neben VW nutzen auch andere deutsche Unternehmen ihre Fertigungskompetenz im boomenden Rüstungssektor. So erklärte Gundbert Scherf von Helsing, dass Automobilzulieferbetriebe als strategische Reserve fungieren können. Das Münchner Drohnen-Startup mit 900 Mitarbeitern sammelte bereits über eine Milliarde Euro ein und plant den Verkauf von bis zu 20.000 Kamikaze-Drohnen in diesem Jahr.
Quantum Systems aus München liefert zudem der Ukraine 15.000 Abfangdrohnen und strebt für das nächste Jahr einen Börsengang an, der eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Euro ermöglichen könnte.
Trotz des Drucks durch chinesische Autobauer bleiben die Fähigkeiten der deutschen Industrie gefragt. Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sorgen dafür, dass hochwertige Fertigung auch zukünftig benötigt wird.