Natalie Rickli, die Präsidentin des nationalen Gremiums zur Vergabe von Spitalaufträgen in hochspezialisierten Medizinbereichen (HSM), steht wegen möglicher Vetternwirtschaft unter Beschuss. Die Schweizerische Gesellschaft für Viszeralchirurgie kritisiert das Verfahren als undurchsichtig, insbesondere weil vier von zehn nationalen Zentren für die Speiseröhrenkrebsoperation Ösophagusresektion im bevölkerungsreichen Kanton Zürich liegen, während in der Ostschweiz mit weniger Einwohnern nur ein Zentrum vorgesehen ist.
Rickli, gleichzeitig Gesundheitsdirektorin von Zürich und Präsidentin des Gremiums, steht im Fokus der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, das Kantonsspital Winterthur (KSW) unterstützt zu haben, obwohl es den Leistungsauftrag für Ösophagusresektionen erst kürzlich wieder erhielt und diese Operation früher nicht zulässig war. Das Gericht hatte dem Spital im Februar 2023 die Berechtigung entzogen, doch das KSW führte die Eingriffe bis Frühjahr 2024 weiter durch – selbstfinanziert aufgrund des Urteils.
Das Verfahren erregt Aufsehen, da Rickli erst ein Jahr nach dem Gerichtsurteil eingegriffen hat. Diese Entscheidung kam zu einem Zeitpunkt, als das KSW bereits die erforderlichen Mindestfallzahlen für die Bewerbung um einen neuen Leistungsauftrag erreicht hatte. Das Spital rechtfertigt sein Handeln mit einer strategischen Entscheidung zur Qualifikation für den Auftrag im Jahr 2025.
Rickli verteidigte sich, indem sie betonte, dass es wichtig sei, dass Spitäler sich selbständig weiterentwickeln können. Sie weist darauf hin, dass das KSW seit Frühjahr 2024 die Regeln einhält.
Die Vergabe von Leistungsaufträgen wird jedoch nicht nur auf Zürich ausgerichtet, sondern unterliegt einem ausgeglichenen Verfahren, bei dem zehn Kantone beteiligt sind. Kriterien wie Mindestfallzahlen spielen eine entscheidende Rolle bei der Auswahl.
Die Debatte um den Entscheid ist noch nicht abgeschlossen und befindet sich in der Prüfung. Kathrin Huber von der Gesundheitsdirektorenkonferenz betonte, dass die Planbarkeit dieser Eingriffe keine Notwendigkeit für eine gleichmäßige Verteilung im ganzen Land erfordert.
Die Chirurgen fordern klare Regelungen zur Wiedereinbeziehung von Spitälern in den HSM-Bereich. Antonio Nocito vom Verband der Viszeralchirurgen kritisierte die fehlende Möglichkeit für Spitäler, einen verlorenen Auftrag zurückzugewinnen. Das Beispiel des KSW zeigt auf, dass manche Wege zur Wiedergewinnung von Leistungsaufträgen nicht nachhaltig sind.
Der Vergabeprozess und die Re-Entry-Möglichkeiten für Spitäler bleiben damit wichtige Diskussionspunkte in der Schweizer Gesundheitspolitik.