Die Universität Genf beschreibt die steigende Zahl von Darmkrebs-Erkrankungen bei jungen Menschen in der Schweiz als «alarmierende Entwicklung». Während die Fallzahlen bei Personen über 50 seit den 2000er-Jahren abnehmen, ist das Risiko für Unter-50-Jährige seit 1980 um etwa 0,5 Prozent pro Jahr gestiegen. Irène Dietschi, erfahrene Journalistin in der Wissenschaftsredaktion von SRF, hebt hervor, dass die Schweiz einem globalen Trend folgt: Weltweit ist Darmkrebs die zweithäufigste tödliche Krebserkrankung und betrifft vorwiegend ältere Menschen. Dennoch ist bei den Jüngeren ein deutlicher Anstieg festzustellen – in den USA zum Beispiel um 2,4 Prozent pro Jahr zwischen 2012 und 2021.
Unklar bleibt die vollständige Ursache für diesen Trend. Bekannte Risikofaktoren wie genetische Veranlagung oder Lebensweise (Alkohol, Rauchen, ungesunde Ernährung) erklären den Anstieg bei jungen Menschen nicht ausreichend.
Das Schweizer Krebsmonitoring zeigt, dass sich die Inzidenzrate bei jungen Männern vervierfacht hat: Von 1,6 pro 100.000 Personen in den frühen 1990er Jahren auf 6,4 im Jahr 2020. Bei Frauen ist der Anstieg ebenfalls erkennbar, jedoch weniger drastisch.
In der Schweiz sind Darmspiegelungen für die Früherkennung von Darmkrebs bei Personen ab 50 Jahren durch die Grundversicherung abgedeckt, entweder alle zwei Jahre mittels eines Blut-im-Stuhl-Tests oder alle zehn Jahre durch eine Untersuchung. Die Kosten variieren zwischen 600 und über 1500 Franken.
Angesichts der Tatsache, dass bei jüngeren Patienten Darmkrebs oft in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird – mehr als ein Viertel im Stadium IV – wird diskutiert, das Mindestalter für die Vorsorgeuntersuchung zu senken. Länder wie die USA und Österreich führen bereits Screenings ab 45 Jahren durch.
Screening birgt zwar das Risiko von Überdiagnosen, doch bei der Darmspiegelung ist das Entfernen von Polypen in der Regel unbedenklich, da es das Krebsrisiko erheblich reduziert. Die WHO hat kürzlich herausgestellt, dass vier Zehntel aller Krebserkrankungen vermeidbare Ursachen haben. Eine Prävention könnte somit einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheitslage ausüben.
Politische Entscheidungen zur Senkung des Screening-Alters in der Schweiz stehen noch aus, doch es scheint klar: Die Verbreitung und Harmonisierung von Vorsorgeprogrammen über alle Kantone hinweg könnte entscheidend sein.