Die EU-Kommission stellt fest, dass bis zur Hälfte der über 12-Jährigen in den Mitgliedsstaaten der Union Pornografie auf Smartphones konsumiert. Sie macht die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen bei Videoportalen dafür verantwortlich und fordert strengere Maßnahmen zum Jugendschutz.
Laut Experten wie Eltern, Pädagogen und Psychologen ist der Zugang zu Pornoseiten für Jugendliche besonders problematisch. Die EU-Kommission hat in einem vorläufigen Bericht festgestellt, dass die Anbieter Pornhub, Stripchat, XNXX und X-Videos ihre Verpflichtungen beim Jugendschutz vernachlässigen. Daher fordert sie von diesen Plattformen den Einsatz sicherer Altersverifizierungsinstrumente.
Die Kommission sieht es als unzureichend an, wenn Nutzer lediglich bestätigen müssen, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind, und verlangt nach effektiveren Maßnahmen. Der aktuelle Stand in Europa ist laut einem Sprecher der EU-Kommission alarmierend, insbesondere da es Fälle gibt, bei denen Kinder so jung wie Siebenjährige auf solchen Plattformen anzutreffen sind.
Das Vorgehen basiert auf dem Gesetz für Digitale Dienste (DSA), das große Plattformen zur Umsetzung „geeigneter und verhältnismäßiger Maßnahmen“ zwingt, um Jugendliche zu schützen. Allerdings gestaltet sich die praktische Umsetzung der Altersverifizierung schwierig, da Nutzer ihre Daten lieber nicht teilen.
Als Lösung hat die EU eine App entwickelt, die ab April in Ländern wie Frankreich und Dänemark verfügbar sein wird. Diese App verwendet einen Open-Source-Code auf Smartphones, um das Alter zu verifizieren, ohne persönliche Daten an die Plattformen weiterzugeben.
Die EU hat ihre Untersuchung gegen die Porno-Portale im Mai des Vorjahres begonnen. Kritiker bemängeln jedoch die Langsamkeit des Prozesses und fordern schnellere Regulierungen sowie Geldstrafen. Die Kommission betont jedoch, dass es ihr Ziel sei, Verhaltensänderungen bei den Portalen zu bewirken.
Nach europäischem Recht haben die Plattformen das Recht, sich gegen die Vorwürfe der EU-Kommission zu verteidigen. Erst wenn diese Prozesse abgeschlossen sind und feststeht, dass die Jugendschutzbestimmungen missachtet werden, könnte eine Geldstrafe verhängt werden, die bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes betragen kann.
Pornhub hat bisher keine wirksame Altersverifizierung eingeführt und argumentiert in einem laufenden Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), dass bestimmte Anforderungen die Anonymität von Darstellern gefährden könnten. Kritiker vermuten jedoch, dass es sich um eine Taktik zur Verzögerung der Umsetzung des DSA handelt.