Angesichts der stark gestiegenen Preise für Kerosin haben die Lufthansa-Gruppe und andere Fluggesellschaften ihre Strategien angepasst. Sie hoffen, dass der Iran-Krieg bald ein Ende findet und dadurch die Treibstoffpreise wieder sinken werden.
Seit dem Ausbruch des Konflikts haben sich die Preise für Kerosin verdoppelt und liegen nun bei etwa 180 Dollar pro Barrel. Airlines stehen vor der Herausforderung, wie sie mit diesen starken Preissteigerungen umgehen sollen. Normalerweise setzen europäische und asiatische Fluggesellschaften auf Hedging-Strategien, also die Absicherung ihres Treibstoffbedarfs zu festen Preisen für zukünftige Lieferungen. Viele Airlines haben ihren Bedarf für das laufende Jahr bereits abgesichert, müssen aber den Rest teuer auf dem offenen Markt einkaufen.
Da der Krieg länger andauert als erwartet, haben viele europäische Fluggesellschaften gemäß Berichten der Financial Times vorerst auf neue Absicherungsgeschäfte verzichtet. Sie möchten sich nicht langfristig an die aktuellen Rekordpreise binden. Die Lufthansa-Gruppe hat bestätigt, dass sie das Hedging ausgesetzt hat und es wieder aufnehmen wird, sobald sich die Situation verbessert. Auch Ryanair-Chef Michael O’Leary plant keine neuen Absicherungen in den kommenden drei Monaten, sondern setzt darauf, Treibstoff später günstiger einkaufen zu können.
Dieses Vorgehen birgt Risiken: Ein unerwartet hoher Preisanstieg könnte die Airlines ungeschützt zurücklassen. Laut Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen macht der Treibstoff etwa ein Drittel der Gesamtkosten einer Airline aus, bei Billigfluggesellschaften sogar bis zu 50 Prozent. Viele Fluggesellschaften setzen daher auf Termingeschäfte zur Budgetsicherung.
Im Gegensatz dazu verzichten große nordamerikanische Airlines wie United, Delta oder American Airlines seit Jahren weitgehend auf Hedging und spüren die Preisanstiege direkt in ihren Ticketpreisen. United Airlines musste bereits Flüge streichen und prüft weitere Einschränkungen.
Die Lufthansa betont ihre robuste Position: Sie hat bereits 80 Prozent ihres Bedarfs für 2026 und 40 Prozent für 2027 abgesichert, obwohl die Treibstoffrechnung um bis zu 25 Prozent höher ausfallen könnte. Diese Mehrkosten sollen teilweise über erhöhte Treibstoffzuschläge an die Kunden weitergegeben werden.
Die Lufthansa-Gruppe profitiert paradoxerweise von der Krise, da sie ihre Asienrouten trotz der Konflikte aufrechterhalten kann. Große Golf-Airlines sind hingegen durch Luftraumsperrungen eingeschränkt und müssen Flüge streichen.
Die Versorgungssicherheit wird zunehmend zu einer Sorge, da Europa stark auf Importe angewiesen ist. Wichtige Lieferwege wie die Straße von Hormuz sind blockiert, was das Risiko einer Treibstoffknappheit erhöht. Einige Airlines planen bereits Notfallmaßnahmen.
Die Lufthansa-Gruppe beobachtet derzeit keine Versorgungsengpässe, kann aber die Zukunft nicht vorhersagen und bereitet sich auf mögliche Maßnahmen vor, einschließlich Anpassungen der Ticketpreise. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, müssen Passagiere mit höheren Preisen und reduzierten Flugangeboten rechnen.