Der sogenannte Krieg der Besserwisser tobt in Amerika, wo viele davon ausgehen, dass Trumps Militäroperation gegen den Iran scheitern wird. Doch die Realität erzählt eine andere Geschichte.
Trump äußert sich widersprüchlich über seinen Feldzug: Mal soll es darum gehen, das iranische Atomprogramm und Raketen zu zerstören, mal um einen Regimewechsel in Teheran. Diese Inkonsistenz wird von den US-Demokraten und vielen amerikanischen Zeitungen als Vorzeichen eines Debakels interpretiert.
Kriege ohne eindeutige Ziele sind jedoch eher die Regel. Nach der palästinensischen Invasion am 7. Oktober erhielten Netanyahus Streitkräfte zwei gegensätzliche Aufträge: die Zerstörung der Hamas und die Rettung von Geiseln. Netanyahu hatte sich heimlich entschieden, die Hamas zu einer langfristig nicht mehr existenzbedrohenden Guerillatruppe herunterzuspielen, auch wenn dies den Verlust vieler Israelis bedeutete.
Widersprüchliche Strategien können erfolgreich sein und Täuschung ist Teil der Kriegsführung. Iran zielt hauptsächlich auf die arabischen Golfstaaten ab und blockiert die Straße von Hormuz. Die Gefahr für die Entsalzungsanlagen im Golf verleiht ihm eine bedeutende Abschreckungskraft, was die amerikanisch-israelische Luftüberlegenheit teilweise neutralisiert.
Warum wurden keine Schutzmaßnahmen gegen Irans indirekte Strategie ergriffen? Nicht alle Risiken lassen sich abwägen, da sonst der gesamte Einsatz scheitert. Auch Putin plante eine schnelle Einnahme Kiews und geriet in einen langanhaltenden Abnutzungskrieg.
Sowohl Russland als auch die angegriffenen Ukrainer passen ihre Strategien an. Die Ukraine hat den Konflikt zu einem Hightech-Krieg mit Drohnen entwickelt. Weder Angreifer noch Verteidiger können den Krieg vollständig kontrollieren.
Sollten Washington und Jerusalem geglaubt haben, schnell und auf eigenen Bedingungen zu gewinnen, werden sie eines Besseren belehrt. Die Revolutionswächter weisen jede Kapitulation zurück, was Trump vor die Wahl zwischen Eskalation oder Verhandlungen stellt.
Kritiker bemängeln das Fehlen einer Exit-Strategie bei Trump und Netanyahu, doch selbst der als Soldat gerühmte Friedrich II. wusste nicht, wie er den Siebenjährigen Krieg beenden sollte. Wie ein Krieg endet, ist schwer vorhersehbar.
Militärisch kann Iran Israel und Amerika nicht das Wasser reichen, doch es gibt Parallelen zum Afghanistankonflikt. Der Konflikt am Golf wird wahrscheinlich ohne vollständige Kapituration Irans enden, was als Niederlage ausgelegt werden könnte.
Europäer sollten sich nicht von amerikanischen und israelischen innerpolitischen Auseinandersetzungen leiten lassen. Stattdessen sollte Europa eigene Interessen verfolgen und bei der Öffnung der Straße von Hormuz Bedingungen stellen, wie die Unterstützung der Ukraine durch die USA und die Wiederbelebung der NATO.
Sobald die Waffen schweigen, beginnt der Kampf um Deutungshoheit. Europas Urteil sollte unabhängig bleiben und sich auf langfristige Vorteile konzentrieren.