Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs vor vier Wochen ist die Liquidität an den Finanzmärkten deutlich gesunken, wie die Chefin von Ecofin, einem Vermögensberater in Zürich, Alexandra Janssen, im Interview feststellt. Trotz dieser Entwicklung bleiben Anleger erstaunlich ruhig.
Frau Janssen erklärt, dass die Aktienmärkte weltweit eingebrochen sind und Obligationenkurse gefallen sind, während der Erdölpreis um fast 50 Prozent gestiegen ist. Die Auswirkungen auf Märkte wie jene in Japan oder Südkorea waren stärker als beispielsweise in den USA, was die Bedeutung von Diversifikation unterstreicht.
Obwohl die Unsicherheit bezüglich des weiteren Verlaufs des Kriegs groß ist, haben die Finanzmärkte bereits alle bekannten Informationen verarbeitet. Die Realwirtschaft wird jedoch erst später mit den Auswirkungen konfrontiert, insbesondere wenn Lieferketten und Energieknappheiten zunehmen.
Die Liquidität hat abgenommen, was sich in hohen Spreads bei Finanzanlagen zeigt. Diese Stresssymptome sind typisch für das derzeitige Marktumfeld, aber auch vorübergehend, so Janssen. Die aktuellen Verwerfungen an den Märkten rufen Erinnerungen an die Krise von 2008 hervor, doch heute bestehen andere systemische Risiken, wie hohe Staatsverschuldung.
Trotz der geopolitischen Krisenmomente in den letzten Jahren zeigt die geringe Nervosität vieler Investoren eine gewisse Resilienz. Die Märkte reagieren schnell auf Ereignisse wie Bombardierungen von Energieanlagen, um zukünftige Folgen abzuschätzen.
In der Realwirtschaft könnten die gestiegenen Energiepreise erhebliche Schäden verursachen. Unternehmen brauchen Monate bis Jahre, um sich auf Störungen einzustellen. Zudem droht bei anhaltendem Iran-Krieg weiterer Druck auf die Energiemärkte und Düngemittel.
Iran bleibt trotz militärischer Schwäche eine potente Waffe, indem es durch die Sperrung der Straße von Hormuz globale Energieschwierigkeiten verursacht. Janssen rät Privatanlegern von taktischen Manövern ab und empfiehlt stattdessen eine auf ihre Situation zugeschnittene Strategie.
Gold hat als sicherer Hafen in den letzten Wochen an Wert verloren, während der Franken sich nominal weiter aufwertet. Dies stellt für Schweizer Exporteure eine Herausforderung dar. Die SNB hält sich zurück und rechtfertigt dies mit ihrer Aufgabenstellung.
2026 könnte kein herausragendes Börsenjahr werden; entscheidend ist die Dauer des Kriegs, der Stagflation Vorschub leisten könnte. Ein Ende des Konflikts durch eine US-Iran-Vereinbarung könnte hingegen für positive Marktbewegungen sorgen.