Obwohl nur fünf Prozent des globalen Containerverkehrs die strategische Meerenge von Hormus passieren, verschärft sich die Situation rapide mit jeder Verlängerung des Konflikts im Iran, betont Paolo Montrone, der bei Kühne + Nagel für maritime Logistik verantwortlich ist. Seit 37 Jahren tätig in dem Unternehmen, beschreibt er die Probleme: Container stauen sich in Häfen nahe den Konfliktzonen, da Schiffe nach einem hundertjährigen Gesetz ihre Fracht unter Umständen nicht am vereinbarten Hafen entladen können. Stattdessen werden sie an anderen Orten abgeladen – zu Lasten der Kunden. Dieser Vorgang wird als “Termination of Voyage” bezeichnet.
Die notwendige Umladung führt dazu, dass Container in kleineren Häfen mit unzureichender Infrastruktur verbleiben und an anderen Orten fehlen. Zudem müssen die Waren auf dem Landweg transportiert werden – ein Prozess, der laut Montrone zusätzliche Kosten verursacht, insbesondere wegen eines Mangels an Lastwagen.
Ein weiteres Problem ist der Treibstoffmangel für Schiffe; es gibt weltweit nur wenige Häfen mit Anlagen zur Bunkerung großer Containerschiffe. Diese sind laut Montrone bereits überlastet und leiden auch unter einem Mangel an Schweröl.
Die Kosten in den Lieferketten explodieren zudem durch Notzuschläge für Kriegsrisiko, Versicherungen, Treibstoffmangel und Umwege. Reedereien verlangen bis zu 4000 Dollar zusätzlich pro Container. Für Transporte in den Nahen Osten haben sich die Preise bereits vervierfacht, wie Philippe Binard von Freshfel berichtet. Insbesondere Frischwaren sind von Lieferverzögerungen betroffen, da Gemüse und Obst ohne Kühlung verderben können.
Manche Kühlschiffe im Nahen Osten bleiben blockiert, andere nehmen längere Umwege um Afrika in Kauf. Diese Verzögerungen dauern bereits Monate an. In der Logistik ist bekannt: Ein Tag Störung benötigt eine Woche zur Normalisierung. Obwohl Planungsmaßnahmen von Unternehmen wie Kühne + Nagel getroffen werden, warnt Montrone davor, dass die aktuelle Krise innerhalb von vier bis sechs Wochen globale Lieferketten beeinträchtigen könnte.
Bereits jetzt fehlen Produkte wie Dünger und Plastikverpackungen, was den Effekten der Pandemie ähneln würde. Die Mehrkosten für die Reederei Hapag-Lloyd belaufen sich laut Chef Rolf Habben Jansen auf 40 bis 50 Millionen Dollar pro Woche. Diese Kosten werden von den Reedereien an Containerbesitzer weitergegeben, welche sie wiederum an die Verbraucher umlegen.