Zwei Jahre nach ihrer Einführung hat ein Komitee, bestehend aus FDP, GLP, der Mitte-Partei und der SVP, die Aufstockungsinitiative zurückgezogen. Laut einer am Freitag veröffentlichten Erklärung des zuständigen Komitees soll so juristische Auseinandersetzungen vermieden werden. Die Initiative zielte darauf ab, das Wohnungsmangelproblem durch Lockerung der Bauvorschriften in Zürich zu lösen – konkret die Möglichkeit, bestehende Gebäude um drei Meter aufzustocken, wodurch zahlreiche zusätzliche Wohnungen entstehen könnten. Die Initianten argumentierten, dass bereits eine Erhöhung von 20 Prozent der Zürcher Gebäude 10.000 neue Wohnungen schaffen würde.
Die Initiative löste in der Stadtzürcher Politik Diskussionen aus und wurde vom Stadtrat für ungültig erklärt, da sie mit dem übergeordneten Recht auf Bundesebene sowie kantonaler Ebene unvereinbar sei. Die Initianten vermuteten politische Motive hinter der Ungültigkeitserklärung und haben den Vorstoss vorläufig sistiert, bis schließlich ein vollständiger Rückzug erfolgte.
Hans Dellenbach, ehemaliger FDP-Stadtparlamentarier, begründete gegenüber der NZZ den Schritt damit, dass das Komitee seine Kräfte auf die Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) konzentrieren wolle, anstatt sich in rechtliche Streitigkeiten zu verwickeln. Der Stadtrat hat mit der Neuauflage der BZO bereits einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und viele Forderungen aus der Initiative übernommen, so Dellenbach. Das Komitee beabsichtigt nun, im Rahmen der Vernehmlassung zur neuen BZO seine Position zu äußern.
Trotzdem sei dieser Schritt geringer als erwartet: Der Stadtrat hat spezifische Gebiete definiert, in denen künftig bis zu zwei zusätzliche Etagen genehmigt werden. Er habe jedoch anerkannt, dass Aufstockungen und Anbauten zur Verdichtung beitragen, was im Sinne der Initiative sei.
Auch auf Kantonsebene fand das Vorhaben Anklang, wie die Mitteilung feststellt: Der Regierungsrat kündigte in seinem Raumplanungsbericht vom letzten Oktober an, bestehende Bauten weiterentwickeln zu wollen. Dadurch könnten Abrisse reduziert werden.