Mit dem Ende des Jahres tritt António Guterres als UNO-Generalsekretär ab. Viele fordern nun, dass erstmals eine Frau den Posten übernimmt. Allerdings gilt der männliche Bewerber Rafael Grossi aus Argentinien als Favorit. Er gerät jedoch anfangs seiner Kampagne in die Kritik wegen eines gravierenden Fehlers. Traditionell steht das Amt laut UNO-Regelungen zur Verfügung von Lateinamerika und der Karibik.
Zur Wahl stehen drei Frauen: Chiles Ex-Präsidentin Michelle Bachelet, ehemals Hochkommissarin für Menschenrechte; Rebeca Grynspan, frühere Vizepräsidentin von Costa Rica und Generalsekretärin der UNCTAD; sowie die argentinische Diplomatin Virginia Gamba, UNO-Sonderbeauftragte. Alle drei sind erfahrene Kandidatinnen, jedoch über siebzig Jahre alt.
Das Bewerberfeld wird durch zwei Männer ergänzt: Senegals Ex-Präsident Macky Sall sowie Rafael Grossi, derzeit Leiter der IAEA. Interessanterweise treten einige zuvor hoch gehandelte Frauen nicht an; darunter Mia Mottley aus Barbados, die aufgrund ihres Engagements für Klimaschutz und Gleichberechtigung in Washington auf Widerstand stößt.
Obwohl fünf Bewerber zur Auswahl stehen, kann jede Kandidatur durch eine der Vetomächte im Sicherheitsrat blockiert werden. Die Generalversammlung hat letztlich das Vorschlagsrecht, entscheidet jedoch über einen einzigen Vorschlag des Rates. Daher ist die Wahl weniger von Eignung als vielmehr von politischem Konsens abhängig.
Rafael Grossi hat gute Aussichten auf Unterstützung durch Frankreich und Großbritannien, während Russland, China und möglicherweise auch die USA einen männlichen Kandidaten bevorzugen. Seine diplomatische Erfahrung wird hoch geschätzt, doch seine Doppelrolle als IAEA-Chef schafft Interessenskonflikte, besonders in sensiblen internationalen Konflikten.
Grossi hält trotz der Empfehlung zur Trennung seiner Ämter daran fest und liefert beim Thema Wahlkampffinanzierung eine ausweichende Antwort. Ob dies seine Chancen schmälert, ist ungewiss, da die Entscheidungsfindung hinter verschlossenen Türen stattfindet und von den Vetomächten abhängt.
Die öffentliche Diskussion um die Nachfolge des UNO-Generalsekretärs bleibt intensiv, während die eigentlichen Entscheidungen intransparent bleiben.