Christoph Brand, der Leiter des Energieunternehmens Axpo, hat in einer neuen Studie eine Empfehlung zur künftigen Stromproduktion der Schweiz abgegeben. Er plädiert für eine verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien und Gaskraftwerken statt den Bau neuer Kernkraftanlagen.
Brand, seit Mai 2020 CEO von Axpo, betont die Notwendigkeit einer neuen Energiestrategie. Rund ein Drittel der Stromproduktion aus bestehenden Kernkraftwerken entfalle in Zukunft durch deren Abschaltung, während gleichzeitig der Bedarf steige – unter anderem aufgrund von Elektroautos und Wärmepumpen. Der Winterstau werde ohne zusätzliche Lösungen wie Photovoltaik und Wasserkraft zu einem Problem.
Als Chef des größten Atomstromproduzenten argumentiert Brand, dass neue Kernkraftwerke sehr kostspielig in der Errichtung seien und hohe finanzielle Risiken bergen würden. Diese müssten vom Staat getragen werden, was politisch nicht umsetzbar erscheint. Stattdessen favorisiert er die Ausweitung von Windenergie trotz möglichen lokalen Widerstands, da Erfahrungen zeigen würden, dass sich der Widerstand oft relativiert.
Kritiker werfen Brand vor, das Potenzial der Solarenergie zu unterschätzen. Er entgegnet jedoch, dass physikalische Gegebenheiten wie geringe Sonneneinstrahlung im Winter die Leistung von Solaranlagen limitierten. Als Reserve für Zeiten mit unzureichendem Wasserkraft-, Solar- und Windstrom schlägt er den Einsatz von Gaskraftwerken vor.
Brand hebt hervor, dass sowohl eine Verlängerung der Laufzeit bestehender Atomkraftwerke als auch die Nutzung von Gas eine technische Machbarkeit haben. Die neueren Anlagen könnten sicher bis zu 80 Jahre betrieben werden. Seine Hauptbotschaft an die Politik lautet: Es ist notwendig, sich für einen klaren Weg zu entscheiden und den politischen Konsens zu suchen.
Das Interview führte Simone Hulliger im Rahmen des Tagesgesprächs am 25. März 2026.