Ines Papert, mehrfache Eiskletter-Weltmeisterin, hat in Westnorwegen vier neue Mixed-Kletterrouten erschlossen und dabei versehentlich einen Polizeieinsatz ausgelöst. Die Region ist bekannt für ihre selten gefrierenden Wasserfälle, die dieses Jahr jedoch aufgrund extremer Winterbedingungen zu eisigen Skulpturen wurden.
Papert, die in Bayern lebt, verfolgt seit ihrer ersten Expedition im Jahr 2014 das Wetter in Sunndalen, dem Zentrum der norwegischen Wasserfälle. Nach zwölf Jahren Warten auf passende Bedingungen reiste sie ausgerechnet nach einer kühlen Vorhersage Anfang Januar an.
Die erfahrenen Eisklettererin hat nun vier neue Routen in Norwegen eröffnet, die sowohl Eis- als auch Felspassagen umfassen. Begleitet von befreundeten Kletterern aus der Region, nutzte sie ihre Expertise, um sichere Linien durch das Mosaik aus Eiszapfen und dunklen Felsen zu identifizieren.
Die schwierigste dieser Routen ist Gjölatappen – eine 350 Meter lange Route mit Schwierigkeiten M8 und WI6. Diese beinhaltet technisch anspruchsvolle Eisabschnitte und gefährliche Sicherungsmöglichkeiten. Papert, unterstützt von weniger erfahrenen Kletterern aus der Region, erklomm diese Herausforderung trotz eines Sturzes in ihre eigene Sicherung.
Der Aufstieg begann im steilen Schneecouloir des Gjölatappen und führte zu einigen der wildesten Eiskletterrouten, die Papert je begegnet sind. Nach 16 Stunden erreichten sie den Gipfel unter dem Anblick von Polarlichtern.
Für Papert ist das Eröffnen neuer Routen nicht nur eine Frage des Superlativen, sondern vielmehr ein Abenteuer voller Unsicherheiten. Die Namensgebung stellt oft die größte Herausforderung dar; Fleeting Glory, so der Name einer neuen Route in Sunndalen, spiegelt die flüchtige Natur solcher Erstbegehungen wider.
Die Bewohner von Sunndalsöra waren aufgrund ungewöhnlicher Stirnlampenaktivitäten besorgt und riefen sogar die Polizei. Papert entschuldigte sich für den entstandenen Aufruhr, während der lokale Kletterer die Situation klärte.
Da Eis- und Mixed-Kletterrouten vergänglich sind, bleibt jede Wiederholung anders als die Erstbegehung. Einige Routen wie Fleeting Glory erscheinen nur alle paar Jahre, was sie zu einem seltenen Juwel für Kletterer macht.