Philippe Lazzarini äußerte sich besorgt über die Haltung der Schweiz in Bezug auf den Nahostkonflikt. Im Gespräch mit dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) beschrieb er Emotionen wie Wut, Verbitterung und Traurigkeit, da seine Organisation, die UNRWA, in den letzten zwei Jahren kontinuierlich Angriffen ausgesetzt war. Seit 2020 leitet Lazzarini das Hilfswerk, welches palästinensische Flüchtlinge unterstützt.
In Gaza wurden fast 400 Mitarbeiter der UNRWA getötet und 80 Prozent ihrer Einrichtungen zerstört. Zudem verbot Israel per Gesetz die Präsenz der UNRWA in Ostjerusalem, wobei deren dortiger Hauptsitz beschlagnahmt wurde. Lazzarini kritisierte die Freude einiger israelischer Regierungsmitglieder über diese Vorfälle, die international als unverletzlich gelten.
Neben den menschlichen und materiellen Verlusten sieht der Schweizer UNO-Funktionär eine grundsätzliche Infragestellung seiner Organisation. Er vermutet, dass das Ziel darin besteht, den Flüchtlingsstatus der Palästinenser infrage zu stellen. Lazzarini betonte die wichtige Rolle der UNRWA bei der Bereitstellung von medizinischer Grundversorgung und Bildung.
Die Organisation steht zudem unter Verdacht, mit der Hamas in Verbindung zu stehen. Israel behauptete, dass UNRWA-Mitarbeiter am Angriff vom 7. Oktober 2023 beteiligt waren. Daraufhin reduzierten zahlreiche Staaten, darunter die Schweiz, ihre Finanzbeiträge. Lazzarini versicherte jedoch, dass Untersuchungen keine konkreten Ergebnisse lieferten.
Zur Position der Schweiz im Konflikt äußerte sich Lazzarini kritisch und bemängelte deren Abwesenheit bei der Verteidigung des Völkerrechts. Er bedauerte, dass die Schweiz eine geplante Konferenz der Genfer-Konvention-Vertragsparteien nicht organisieren konnte.
Trotz seiner Kritik an Bern sieht Lazzarini seine Arbeit noch lange nicht als beendet an und plant, nach seinem Mandat ein Buch über diese herausfordernden Jahre zu schreiben. Er betonte mit einem Lächeln: «Ich bin viel zu jung dafür».