Im Tierschutzhaus am Schwarz Strässle zwischen Schaan und Eschen herrscht ein Geruchsmix aus Sterilität, Trockenfutter und nassem Hundefell. Seit mehr als zwei Jahrzehnten beherbergt die Einrichtung des Tierschutzvereins Liechtenstein Hunde, Katzen und Kleintiere. Im letzten Monat zählte man 24 Hunde, 17 Katzen und 43 Kleintiere.
Einige der Bewohner sind nur temporär da, wie Tagesgäste oder Ferienbesucher ihrer Halter, die in den Bergen oder an fernen Küsten unterwegs sind. Oft werden vermisste Tiere wieder abgeholt, besonders wenn sie gechipt sind und durch entsprechende Ausschreibungen gesucht wurden. Auch sogenannte Verzichttiere finden hier ein Zuhause: Es kann Scheidungstiere sein, bei denen niemand mehr eine geeignete Haltung übernehmen kann, oder Tiere von Haltern mit schweren Gesundheitsproblemen oder nach deren Tod. Manchmal führen Umzüge oder unerwünschtes Verhalten zur Abgabe.
Sina Gassner, im dritten Lehrjahr zur Tierpflegerin, zeigt uns die Einrichtung auf 6800 m² Fläche. Im Obergeschoss leben Hauskatzen; eine von ihnen, Flauschi, wird später vorgestellt. In einem Quarantänezimmer werden neu eingetroffene Katzen getestet. Samy und Moritz, Ferienkatzen, haben ihren eigenen Raum mit allem Nötigen. Sie dürfen wegen ihrer Wohnungsgewohnheiten nicht ins Freie.
Aisi, eine weisse Pensionskatze seit anderthalb Jahren im Heim, sitzt in einer leer stehenden Küche bei Rihanna’s „Don’t stop the music“. Ihre ukrainischen Halter besuchen sie täglich und beschreiben in einer Google-Bewertung die emotionale Belastung der Trennung. Andere Katzen wie Min haben bereits ein neues Zuhause gefunden.
Flauschi, eine schwarz-weiße Katze aus Balzers ohne Besitzerdaten im Chip, bleibt bislang unbeansprucht. Sina betont ihre besondere Verbindung zu Katzen: Aufgewachsen mit ihnen und immer gewusst, dass sie etwas mit Tieren machen möchte. Sie hat zwar im Zoo Gossau gearbeitet, entschied sich aber für den Tierschutzverein.
Im Erdgeschoss rufen die Hunde. Sina zeigt ein Behandlungs- und Quarantäneraum, wo bei Tollwutverdacht Vierbeiner 120 Tage bleiben müssen; bisher gab es keine bestätigte Tollwutfälle seit ihrer Anstellung. Joshua, im Ferienhaus hier, bellt laut.
Sina äußert sich zum Thema Abgabe: Besonders schwer wiegt die Abgabe älterer Tiere nach jahrelanger Pflege. Im Kleintier-Quartier werden ein Kaninchen namens Pünktle mit Hautpilz und andere Heimtiere gepflegt.
Draußen sitzen Kaninchen in ihren Gehegen, darunter Dumbo, der wegen seiner Schlappohren so genannt wird und alleine bleibt. Versuchskaninchen mit Ohrennummern sind ebenfalls zu finden. Ferientiere nehmen im Sommer viel Platz ein, ansonsten hat das Heim genug Kapazitäten.
Sina füttert nun Wildkatzen und geht zurück zum Hundetrakt, wo Hera, ihre Pflegehündin, auf sie wartet. Hera sucht ein neues Zuhause, wird via Webseite und sozialen Medien beworben. Auf Instagram ist Hera unter dem Hashtag „Single? Ich auch“ als Instagram-Star bekannt geworden.