In Australien führen die Folgen des Krieges im Nahen Osten zu einem Mangel an Benzin und Diesel. Rationierte Tankfüllungen, Diebstähle und ein Anstieg der Verkäufe von Elektrofahrzeugen kennzeichnen diese Krise. Aktuell ist die Energieversorgung nur bis Ende April gesichert.
An einer Tankstelle in Sydneys Vorort Freshwater informiert ein Schild über eine maximale Tankfüllung von 50 Litern pro Fahrzeug, doch die Zapfsäulen sind leer. Ein paar Kilometer entfernt in Manly kostet Diesel über drei australische Dollar pro Liter. Beobachtungen zeigen Menschen beim Füllen von Reservekanistern oder sogar beim Diebstahl von Benzin. Premierminister Anthony Albanese kritisiert das Verhalten, sieht sich jedoch mit zahlreichen Videos konfrontiert, die Hamsterkäufe dokumentieren.
Seit dem 28. Februar, als USA und Israel Iran angriffen und die strategisch wichtige Straße von Hormuz blockierten, steigen die Kraftstoffpreise in Australien auf historische Höchstwerte: Benzin liegt bei durchschnittlich 2,50 australischen Dollar pro Liter (1,37 Franken), Diesel hat die Drei-Dollar-Marke übersprungen. Etwa 500 Tankstellen sind teilweise ohne Vorrat. Die Krise führt dazu, dass Menschen Osterferien streichen und Handwerker ihre Preise erhöhen. Transportunternehmen instruieren Fahrer, bei halb leerem Diesel zu tanken.
Die Abhängigkeit Australiens von Importen – 90 Prozent des Kraftstoffs stammen aus asiatischen Raffinerien – macht das Land verwundbar. Die eigenen Reserven reichen derzeit nur für 39 Tage, weit unter dem IEA-Empfehlungswert von 90 Tagen. 2003 gab es noch acht Raffinerien; heute sind es zwei, die dank staatlicher Subventionen überleben.
Der Diesel-Mangel ist besonders problematisch. Lurion De Mello, Finanzwissenschaftsprofessor an der Macquarie University, betont: “Unsere gesamte Wirtschaft hängt davon ab.” Der Transport- und Bergbausektor verbrauchen zusammen 48 Prozent des Dieselbedarfs. Bauern berichten über steigende Betriebskosten; Trucker geben diese Kosten weiter.
Politiker wie Phillip Coorey von der “Australian Financial Review” kritisieren die Regierung für mangelnde Vorsorge. Warnungen gab es bereits 2012 und 2019 lagerte die damalige Regierung nur symbolische Ölmengen in Texas ein, statt Reserven aufzustocken.
Die aktuelle Labor-Regierung unter Albanese versucht durch staatliche Absicherung privater Importeure, Raffineriesubventionen und Freigabe von strategischen Ölreserven gegenzusteuern. Albanese betont die Stabilität der Versorgung in den nächsten Wochen, warnt jedoch vor zunehmenden Auswirkungen bei längerem Krieg.
Senator David Pocock mahnt Konsequenzen an und spricht sich für eine rasche Umstellung auf Elektromobilität aus. Aktuell machen diese Fahrzeuge nur zwei Prozent der australischen Flotte aus. Tony Wood vom Grattan Institute fordert, die Reserven zu erhöhen und alternative Kraftstoffe zu fördern.
Die Krise verstärkt den Trend hin zur Elektromobilität: Pickles verzeichnet 20 Prozent mehr Verkäufe von Elektrofahrzeugen. Australien steht nun vor der Herausforderung, als Exporteur am anderen Ende der Lieferkette zu agieren und setzt Exportgüter als Pfand ein. Albanese unterstrich gegenüber Malaysia die Erwartung an gegenseitige wirtschaftliche Beziehungen.