In den USA beeinflussen die Tankkosten maßgeblich die Präsidentenpopulärkeit, während in China das Regime Preiserhöhungen abfedert. Historisch gesehen führen höhere Autofahrpreise oft zu sozialen Unruhen. Donald Trump, der als Präsident gerne an Tankstellen Halt machte und sich über niedrige Benzinpreise freute, sah den Preis einer Gallone in manchen Fällen unter 2 Dollar fallen. Unter Joe Biden waren diese Preise zeitweise auf über 5 Dollar gestiegen. Nach dem Angriff der USA auf Iran sind solche niedrigen Preise passé; seitdem verzeichnete die American Automobile Association einen durchschnittlichen Preisanstieg um ein Drittel. Die Verbindung zwischen Benzinpreisen und Präsidentenbeliebtheit hat Politologin Laurel Harbridge-Yong von der Northwestern University untersucht. Ihrer Analyse zufolge sinkt die Popularität eines US-Präsidenten direkt, sobald die Preise an der Zapfsäule steigen – unabhängig davon, welcher Partei er angehört oder wie oft darüber berichtet wird. Da 92 Prozent aller amerikanischen Haushalte mindestens ein Auto besitzen, treffen hohe Benzinpreise fast jeden. Diese Preissteigerungen verteuern auch den Transport von Lebensmitteln und anderen Alltagsgegenständen. Besonders stark betroffen sind jedoch die ärmsten Familien, für die höhere Ölpreise bedeuteten, dass sie auf notwendige Ausgaben wie Arztbesuche oder Heizkosten verzichten müssen, wie eine Studie der Heritage Foundation zeigt. Bei den Wahlen 2024 erhielt Trump mehr Unterstützung von Bürgern mit einem Einkommen unter 50.000 Dollar, besonders aus ländlichen Gebieten, die stark auf das Auto angewiesen sind. Die politischen Auswirkungen hoher Treibstoffpreise wurden auch in Europa und Asien deutlich. In Frankreich führten Emmanuel Macrons Pläne zur Erhöhung der Benzinsteuern 2018 zur Gelbwesten-Bewegung, die zu Demonstrationen und Krawallen führte und seine Autorität schwächte. In Indonesien zwang ein sprunghafter Preisanstieg für Elektrizität und Treibstoff 1998 den damaligen Diktator Suharto zum Rücktritt. Proteste, die bereits Monate andauerten, intensivierten sich nach der Erhöhung der Benzinpreise dramatisch. China vermeidet solche Risiken durch staatliche Interventionen: Es hält Schweinefleischreserven vor und reguliert Energiepreise, um Stabilität zu gewährleisten. Seit dem Iran-Krieg hat China die Preisanstiege auf Benzin begrenzt, während es die Verkaufszahlen von Elektroautos steigert. Die innenpolitische Spannung in China nimmt zu, da der Iran-Konflikt anhält und den Seeweg über Hormuz gefährdet. Experten schätzen Chinas Ölreserven auf 90 bis 140 Tage. Die Hoffnung liegt darauf, dass Trump den Krieg beendet und globale Preise sinken. Doch trotz seines Optimismus hinsichtlich der US-Ölproduktion steht seine Zustimmungsrate bei nur noch 36 Prozent.