Während internationale Aufmerksamkeit auf den Nahen Osten gerichtet ist, setzt China seine Expansionspolitik im Südchinesischen Meer fort. Mit dem Bau einer neuen künstlichen Insel markiert Peking sein erstes großangelegtes Projekt dieser Art seit zehn Jahren. Damals verwandelte es mehrere Korallenriffe in Militärstützpunkte, die der Luftwaffe, Marine und Küstenwache ermöglichten, das gesamte Südchinesische Meer zu kontrollieren. Obwohl ein internationales Schiedsgericht diese Ansprüche 2016 für ungültig erklärte, ignoriert China dies weiterhin wie die Ansprüche anderer Anrainerstaaten.
Die aktuellen Aufschüttungen finden am Antelope-Riff in den Paracel-Inseln statt, welche Peking seit einem Konflikt mit Südvietnam 1974 kontrolliert. Trotz Hanois Protesten und Ansprüchen an das Riff hat China dort im November Bauarbeiten eingeleitet. Satellitenaufnahmen des Open Source Center (OSC) aus Großbritannien und der Asia Maritime Transparency Initiative (AMTI) der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies offenbaren die Entstehung einer neuen Landmasse von 6 bis 15 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Der Flughafen Zürich umfasst knapp 10 Quadratkilometer.
Diese neue Insel könnte zur größten künstlichen Insel Chinas im Südchinesischen Meer werden, die sogar jene der “Big Three” in den Spratlys – Mischief-, Subi- und Fiery-Cross-Riff – übertreffen dürfte. Diese verfügen über Flugpisten von jeweils drei Kilometern Länge. Die neue Landfläche am Antelope-Riff könnte für eine ähnliche Piste genutzt werden, wobei offizielle Bestätigungen ausbleiben.
Erste Bauwerke sind bereits errichtet worden, darunter Unterkünfte und Anlegeplätze für Schiffe sowie ein Helikopterlandeplatz. Diese liegen in Reichweite der größten Basis Chinas auf Woody Island. China verwendet dieselbe Technologie wie beim früheren Inselbau: Spezial-Schwimmbagger zermahlen Korallenriffe, transportieren das Material und schaffen einen geschützten Hafen für Kriegsschiffe.
Diese Methodik ist jedoch umweltschädlich, da sie nicht nur die Riffe zerstört, sondern auch weit entfernte Korallen durch Staubwolken gefährdet. Vietnam hat ebenfalls ähnliche Techniken bei seinen Bauten im Südchinesischen Meer eingesetzt.
Der militärische Nutzen der künstlichen Inseln wird seit Jahren diskutiert. Kritiker aus dem Westen beschrieben sie als leicht angreifbare „stationäre Flugzeugträger“. Chinesische Kommentatoren erkennen zwar die Schwachstellen an, betonen aber dennoch ihre strategische Bedeutung für das Verteidigungssystem im Südchinesischen Meer. Diese Stützpunkte erweitern die Reichweite chinesischer Luft- und Seestreitkräfte deutlich.
Obwohl die Entfernung des Antelope-Riffs zu Hainan geringer ist, bleibt Pekings Ziel unklar. Experten wie Greg Poling von der Denkfabrik AMTI bezweifeln mittlerweile, dass chinesische Stützpunkte leicht zerstört werden könnten. Ausgestattet mit Radar-, Flugabwehr- und Anti-Schiffs-Raketen wären Angriffe auf solche Basen kompliziert und teuer.
Mitarbeit: Seda Motie (Satellitenbilder)