Mit dem neuen Festival «Zürich Barock» zeigt das Opernhaus Zürich ein bemerkenswertes Werk: die Oper «Scylla et Glaucus» von Jean-Marie Leclair. Das Eifersuchtsdrama mit fesselnder Musik wird im Rahmen des Festivals uraufgeführt.
Die Opernbühne kennt viele dramatische Sujets, oft inklusive tödlicher Wendungen – doch die Realität sieht anders aus: Tonsetzer fallen kaum selbst zum Opfer. Einer der bekanntesten Fälle ist der Tod Anton Weberns im Jahr 1945 durch einen Irrtum amerikanischer Soldaten. Eine ähnlich tragische Geschichte ereilte den Franzosen Jean-Marie Leclair: Am Morgen des 10. Oktober 1764 wurde er in Paris von drei Messerstichen getötet, die Todesursache blieb unaufgeklärt und sein Werk geriet weitgehend in Vergessenheit.
Das Opernhaus Zürich widmet sich nun diesem vergessenen Komponisten mit der Schweizer Erstaufführung seines einzigen Werkes «Scylla et Glaucus», das im Rahmen des Festivals präsentiert wird. Die Oper, eine «Tragédie en musique» basierend auf Ovids «Metamorphosen», entfaltet sich als ein klassisches Drei-Personen-Eifersuchtsdrama: Glaucus liebt Scylla, Circe zerstört die Liebe und tötet Scylla aus Eifersucht. Das Stück ist eingebettet in einen mythologischen Rahmen, typisch für die französische Barockoper.
Claus Guth inszeniert das Werk in einem Albtrauminternat mit strenger Disziplin – ein Setting, das an Filme wie «Dead Poets Society» erinnert. Archaische Figuren aus den Mythen dringen in dieses Schultheater ein, wodurch die Grenze zwischen Phantasie und Realität verschwimmt.
Die Inszenierung von Emmanuelle Haïm hebt sich durch Farbigkeit und Einfallsreichtum der Musik hervor, vergleichbar mit Werken von Jean-Philippe Rameau. Ihre Dirigierkunst sorgt für einen kontinuierlichen dramatischen Fluss. Die Sängerinnen Elsa Benoit als Scylla, Anthony Gregory als Glaucus und Chiara Skerath als Circe überzeugen in ihren Rollen.
Das Orchester Le Concert d’Astrée bereichert das Festival mit seinem Originalklang, während die hauseigenen Musiker auf Europatournee sind. La Scintilla unterstützt sie bei diesem Festival. Diese Vielfalt zeigt die stilistische Bandbreite der heutigen Barockmusik.
Ein weiterer Höhepunkt waren Auftritte von Raphaël Pichon und seinem Ensemble Pygmalion, die mit ihrer Interpretation von Bachs «Matthäus-Passion» überzeugten. Ihr kraftvoller Ansatz brachte das Werk in eine neue emotionale Dimension.