Pakistan hat über Jahrzehnte enge Beziehungen zu den afghanischen Rebellen unterhalten. Doch seit deren Machtübernahme in Kabul im August 2021 verschlechterte sich das Verhältnis drastisch. Der Westen beobachtete mit Entsetzen, wie die Taliban die Hauptstadt einnahmen und verzweifelte Afghanen an einer amerikanischen Militärmaschine festklammerten. Pakistan hingegen begrüßte die Rückkehr der Islamisten. Der damalige Premierminister Imran Khan sprach von befreiten „Ketten der Sklaverei“, während Geheimdienstchef Faiz Hameed kurze Zeit später mit den Taliban in Kabul Tee trank, was das Ziel Pakistans zu symbolisieren schien: eine verbündete Regierung an seiner Westgrenze.
Doch dieser Erfolg hat einen bitteren Nachgeschmack. Islamabad wirft Kabul vor, der pakistanischen Rebellengruppe Tehreek-e Taliban Pakistan (TTP) Unterschlupf in Afghanistan zu gewähren. Seit 2021 stieg die Zahl der TTP-Anschläge auf Sicherheitskräfte drastisch an; allein im letzten Jahr gab es mit 3417 Toten einen Rekordverlust. Die Taliban weigern sich jedoch, gegen ihre Glaubensbrüder vorzugehen.
Infolgedessen hat Pakistan Millionen afghanische Flüchtlinge ausgewiesen und führt Angriffe auf TTP-Führer in Afghanistan durch. Islamabad erklärt den „offenen Krieg“ gegen die Gruppe, während Handel und Grenzübergänge ruhen. Diese angespannte Beziehung erfordert einen Blick zurück in die Vergangenheit.
Laut Ibraheem Bahiss, einem Experten der International Crisis Group, waren Pakistans Verbindungen zu den Taliban nie ideologisch, sondern von strategischen Interessen geprägt. Die Kontakte reichen bis 1994 zurück, als die pakistanische Geheimdienstabteilung Directorate S die Beziehungen zu den aufstrebenden Taliban unter Mullah Omar pflegte.
Nach dem 11. September 2001 suchten die USA den Kampf gegen al-Kaida und zwangen Pakistan, seine Unterstützung für die Taliban zu überdenken. Dennoch unterstützte das Land weiterhin die Gruppe, um seinen Einfluss in Afghanistan zu wahren. Dieses Doppelspiel wurde von der CIA bemängelt, da viele gefasste Taliban-Führer verschwanden, bevor sie festgenommen werden konnten.
Die Spannungen zwischen Pakistan und den Taliban sind tief verwurzelt. Der pakistanische Geheimdienst inhaftierte zahlreiche Taliban-Führer, was zu Misstrauen führte. Die Beziehung war von der Notlage geprägt, da die Taliban nach ihrer Vertreibung 2001 einen Rückzugsort benötigten.
Heute ist das Hauptproblem der TTP-Schutz in Afghanistan und die Weigerung der Taliban, gegen sie vorzugehen. Pakistan fordert eine schriftliche Verpflichtung von den Taliban, was Kabul ablehnt. Die Beziehungen sind angespannter als je zuvor: Während Pakistan einst Rückzugslager für afghanische Taliban hatte, kämpfen nun pakistanische Taliban aus Afghanistan.
Obwohl Pakistan militärisch überlegen ist und die Luftüberlegenheit in Afghanistan hat, bleibt der Konflikt ungelöst. Die Armee unter General Asim Munir verfolgt einen harten Kurs, indem sie Flüchtlinge abschiebt und die Grenze schließt. Der Einfluss auf das Sicherheitsfeld wird ausgeweitet, doch eine militärische Lösung des Konflikts mit der TTP bleibt unklar.