Die Zahl der Steuerbetreibungen in Zürich hat innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, obwohl die meisten Bürger und Unternehmen ihre Abgaben fristgerecht begleichen. Die zwölf städtischen Betreibungsämter haben im vergangenen Jahr rund 110.000 Betreibungen bearbeitet, die Gesamtforderungen beliefen sich dabei auf etwa 3,6 Milliarden Franken. Dies geht aus einer aktuellen Erhebung der Stadtammann- und Betreibungsämter hervor.
Im Vergleich zu 2024 sank die Zahl der Betreibungen um ca. 10.000 Fälle, während die Gesamthöhe der Forderungen nur etwa um 200 Millionen Franken zunahm. Häufig werden Betreibungen eingeleitet, um eine Verjährung von Forderungen, insbesondere gegen Banken und Versicherungen, zu unterbrechen, wie im Bericht der Fachleute festgehalten.
Ein detaillierter Jahresvergleich zeigt deutliche Unterschiede in verschiedenen Bereichen. So erhöhte sich die Summe der Forderungen gegenüber Männern um nahezu 700 Millionen Franken auf fast 1,1 Milliarden Franken. Bei Frauen stiegen die eingeforderten Beträge auf etwa 120 Millionen Franken an, ein Anstieg von rund 33 Millionen Franken im Vergleich zum Vorjahr. Die Betreibungszahlen liegen bei Männern etwa doppelt so hoch wie bei Frauen, was ein seit Jahren stabiles Verhältnis darstellt.
Die Betreibungen gegenüber Unternehmen beliefen sich auf 2,36 Milliarden Franken, rund 940 Millionen Franken weniger als im Vorjahr. Aus den Zahlen geht nicht hervor, ob die Forderungen berechtigt sind. In der Schweiz kann jeder jeden betreiben. Rechtsvorschlag wurde in etwa 11.000 Fällen erhoben, sodass circa 90 Prozent der Forderungen unbestritten blieben.
Die Zürcher Amtsstellen haben Steuer- und Krankenkassenbetreibungen gesondert ausgewertet. Die Steuern verzeichneten einen deutlichen Anstieg: von knapp 119 Millionen Franken im Vorjahr auf über 250 Millionen Franken, den höchsten Wert seit Jahren. Die Zahl der betroffenen Schuldner blieb mit gut 21.000 nahezu unverändert. Dies lässt vermuten, dass nur wenige Unternehmen oder sehr vermögende Privatpersonen wegen hoher Steuerforderungen betrieben wurden.
Obwohl die Betreibungsstatistiken die Stadt Zürich betreffen, beziehen sich einige Forderungen auf andere Orte – Privatpersonen werden an ihrem Wohnort, und Unternehmen am Firmensitz betrieben. Bei den Krankenkassen wurde eine positive Entwicklung verzeichnet: Die Zahl der Betreibungen sank um über 25 Prozent auf rund 16.000 Fälle, was auch auf eine Gesetzesänderung zurückzuführen ist.
Früher entfiel etwa jede dritte Betreibung in der Schweiz auf Krankenkassen, was hohe Kosten für die Amtsstellen und Versicherungen nach sich zog. Heute können von einer Lohnpfändung betroffene Personen verlangen, dass ihre Arbeitgeber die Prämien direkt an das Betreibungsamt überweisen. Zudem dürfen Krankenkassen pro Person nur noch zweimal im Jahr eine Betreibung einleiten, wodurch die Betroffenen mit weniger Gebühren belastet werden.
Harte Vollstreckungsmassnahmen wie polizeilich begleitete Zwangsräumungen wurden selten angewendet: 145 Mal kam es im letzten Jahr dazu, ein Rückgang um 16 Fälle. Unterstützung bei der Wohnungssuche erhalten betroffene Privatpersonen durch das Sozialamt, sofern sie dies wünschen.