Zwei Drittel der in Deutschland lebenden syrischen Asylbewerber stammen aus nur drei Provinzen. Eine Analyse zeigt, wie stark diese Gebiete vom Konflikt betroffen wurden. Deutschlands Aussenminister Johann Wadephul äusserte sich Anfang November kritisch über die Lebensbedingungen in der zerstörten Stadt Harasta nahe Damaskus, was ihm Kritik einbrachte. Doch nur zwei Prozent der syrischen Flüchtlinge in Deutschland kommen aus dieser Region, wie eine NZZ-Analyse zeigt. Die Frage stellt sich: Aus welchen Gebieten stammen die meisten Syrer in Deutschland und wie stark sind diese zerstört? Der Bürgerkrieg hat nicht alle Provinzen gleichermaßen verwüstet. Die Weltbank veröffentlichte Ende Oktober eine Schadenanalyse, die zeigt, dass einige Provinzen weniger betroffen waren als andere. Die deutsche Regierung besitzt zwar detaillierte Lagebilder über Syrien, kann jedoch keine genauen Daten zur Herkunft der Flüchtlinge bereitstellen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erhebt diese Informationen zwar, speichert sie aber nicht in einer Weise, die eine statistische Auswertung ermöglicht. Eine Untersuchung des sozioökonomischen Panels zeigt: Ein Viertel der syrischen Asylbewerber kam aus Damaskus, ein weiteres Viertel aus Aleppo. Etwa 18 Prozent stammen aus al-Hasaka. Diese Zahlen zeigen: Fast zwei Drittel kommen aus weniger zerstörten Regionen. Die Schadensanalyse der Weltbank zeigt auf Basis von Satellitenbildern und Berichten den Zustand bis Dezember 2024. In Damaskus beträgt der Wohnraumschaden etwa 22 Prozent, was bedeutet, dass Investitionen notwendig sind, um zum Vorkriegszustand zurückzukehren. Die Schäden betreffen nicht nur Wohngebäude, sondern auch Infrastruktur: Straßen, Wasser- und Stromversorgung. Der Wiederaufbau könnte rund 216 Milliarden Dollar kosten. Bis Ende 2024 war der Fortschritt begrenzt, während in einigen Gebieten wie Rakka Fortschritte erzielt wurden. Die Region Aleppo wurde am stärksten getroffen. Etwa 30 Prozent des gesamten Landesschadens entfallen darauf. Die Stadt erlebt jedoch eine Rückkehr zur Normalität, mit belebteren Strassen und wiedergeöffneten Geschäften. In der Provinz Rif Dimashq, die um Damaskus liegt, ist der Schaden an der Infrastruktur am höchsten, obwohl Wadephul von einem «völlig zerbombten Damaskus» sprach. In der eigentlichen Stadtprovinz Damaskus sind die Zerstörungen im Zentrum weniger ausgeprägt. Al-Hasaka hat geringere Schäden am Wohnraum, aber erhebliche Probleme mit der Infrastruktur, insbesondere bei Wasser und Strom. Die Alouk-Wasserstation bleibt trotz internationaler Bemühungen außer Betrieb. Die Komplexität vor Ort zeigt, dass die Zerstörung nur ein Faktor in der Rückführungsentscheidung ist. So urteilte das Verwaltungsgericht Köln im September gegen einen jungen Syrer aus al-Hasaka trotz anerkannter Probleme. Ein anderes Urteil stoppte kurz darauf die Ausweisung eines älteren Mannes aufgrund von Unsicherheiten bezüglich seines Lebensunterhalts. Wie solche Fälle zukünftig entschieden werden, bleibt ungewiss. Wiebke Judith vom Verein Pro Asyl betont die Ungewissheit der Rechtsprechung in höheren Instanzen.