„Die Enthüllungen von Collien Fernandes haben zu Recht eine Schockwelle durch das Land geschickt“, erklärt Josephine Ballon von HateAid vor Demonstranten. Sie ist sich der Problematik schon lange bewusst.
In ihrer Beratungsarbeit melden sich seit Jahren vermehrt Menschen, die von sexualisierten Deepfakes betroffen sind, so Ballon.
Die Täter kommen aus dem nahen Umfeld: Ehemänner, Schulkameraden oder Nachbarn. Theresia Crone, 23 Jahre alt, berichtet immer wieder von ihren Erfahrungen: „Ich habe das erlebt, durchlebt und überlebt.“ Der Albtraum hält trotz zweijähriger Distanz an.
Christian Ulmen, ein deutscher Schauspieler, soll über zehn Jahre Fake-Profile seiner Ex-Frau Collien Fernandes in sozialen Netzwerken erstellt haben. Über diese Profile kontaktierte er Männer und verschickte pornografische Inhalte. Fernandes bezeichnet das als „virtuelle Vergewaltigung“.
„Wenn du etwas überlebt hast, sollte es doch vorbei sein“, sagt Crone. Doch digitale Gewalt bleibt bestehen: in Suchmaschinen, im Gedächtnis und im Körpergefühl.
Die Themen Deepfakes und digitale Gewalt erreichten schnell den Bundestag. Viele Politikerinnen erleben ebenfalls Hass im Netz.
Justizministerin Stefanie Hubig möchte Deepfakes rasch unter Strafe stellen: „Es ist ein Massenphänomen. Die Technik ist neu, das Motiv aber uralt: Macht, Erniedrigung und Kontrolle.“
Die Justiz hinkt der Technologie hinterher. Aber auch die gesellschaftliche Stimmung ist problematisch. 19 von 20 Taten werden nicht angezeigt – ein Problem, das sich nicht nur auf Frauen beschränkt, wie Frauenministerin Karin Prien betont: „Es ist notwendig, Männer zu adressieren und mit Männern darüber zu sprechen, da 30 % der unter 35-Jährigen Gewalt in Partnerschaften akzeptabel finden.“
Ingrid Brodnig, Autorin von „Feindbild Frau – über Hass im Netz“, unterstützt die Einführung eines neuen strafrechtlichen Tatbestands: „Das ist wichtig für die juristische Logik und kann Ermittlungen motivieren, diese Fälle gründlich zu untersuchen.”
Brodnig sieht in den Vorfällen eine Chance zur Veränderung der Plattformverantwortung: Prominente Fälle wie jener von Collien Fernandes erhöhen die Sichtbarkeit des Problems.
Sie ist optimistisch, dass Bewegung entsteht: „Jetzt wissen viele Menschen, was Deepfakes sind und welche Gefahren sie bergen. Dieses Wissen zu verlieren wird schwer sein.“
Dennoch bleibt der Weg zur Verbesserung lang.