Seit Mitte April 2023 herrscht Bürgerkrieg im Sudan, da rivalisierende Militärfraktionen gegeneinander kämpfen. Millionen sind geflohen und Zehntausende starben bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der De-facto-Regierung unter Abdelfatah Burhan mit den Sudanesischen Streitkräften (SAF) und Mohammed Hamdan Dagalo, dem Anführer der Rapid Support Forces (RSF). Der Konflikt ist geprägt von heftigen Kämpfen um Regierungsgebäude, Flughäfen und Fernsehsender, wobei schwere Waffen wie Granaten eingesetzt werden. Es handelt sich um den dritten bedeutenden innerstaatlichen Konflikt im Sudan nach zwei Sezessionskriegen (1955–1972 und 1983–2005).
Die heftigsten Kämpfe fanden in Khartum statt, wo die SAF im März 2025 vollständige Kontrolle erlangten. Im Oktober 2025 gaben die SAF bekannt, dass sie al-Fasher, die letzte große Stadt in Darfur, an die RSF verloren haben. Durch den Krieg wurden etwa 260.000 Menschen eingeschlossen; viele sind von Nahrung und medizinischer Versorgung abgeschnitten. Die UN berichten von einem starken Anstieg der Unterernährungsrate.
Lokale Quellen behaupten, bis zu 1.500 Menschen seien getötet worden, als sie al-Fasher verlassen wollten. Nach der Eroberung durch die RSF sollen in einer Klinik mehr als 460 Personen ums Leben gekommen sein. Der Brigadegeneral Abu Lulu wurde kurz nach der Einnahme von al-Fasher festgenommen und soll über 2.000 Menschen getötet haben.
Mohammed Hamdan Dagalo hat eine Untersuchung zu den Vorfällen in al-Fasher angekündigt, während der Haager Strafgerichtshof ebenfalls ermittelt. Den RSF werden Massenmorde und Vergewaltigungen vorgeworfen. Der Sudan erlebte unter Omar al-Bashir (1993–2019) mehrere gewaltsame Konflikte, darunter die Zusammenarbeit mit den Janjaweed-Milizen.
Im Juni 2019 kam es zum „Massaker von Khartum“, bei dem über hundert Zivilisten starben. Trotz des Militärputsches und der Übergabe der Macht an eine zivile Regierung im April 2023 eskalierten die Spannungen zu einem Krieg. Die SAF, das offizielle sudanesische Militär, und die RSF, die bis 2019 dem Präsidenten unterstanden, sind nun in einen Machtkampf verwickelt.
Laut UNO-Flüchtlingshilfswerk ist der Konflikt eine der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit. Eine Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine beziffert die Todesopfer in Khartum auf 61.000, wobei viele durch Hunger und Krankheiten starben. Insgesamt sind 12 Millionen Menschen inner- und außerhalb des Sudans auf der Flucht, 24,6 Millionen leiden an Hunger und 15 Millionen Kinder benötigen humanitäre Hilfe. Der Sudan kämpft auch gegen einen schweren Cholera-Ausbruch.
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