Der aktuelle Konflikt im Iran wirft die G7 in ihre Anfangsjahre zurück und offenbart zugleich die Fragilität der internationalen Ordnung. Ursprünglich als Antwort auf die Ölpreiskrisen der 1970er Jahre gegründet, trafen sich die G7 erneut – diesmal speziell wegen des Energieproblems in einer Videokonferenz mit den Energieministern und Finanzministern sowie Notenbankführern.
Die Finanzminister und Zentralbankchefs der G7-Länder zeigen sich bereit, «alle notwendigen Massnahmen» zu ergreifen, um die Stabilität auf den Energiemärkten sicherzustellen. Ziel ist es, die wirtschaftlichen Auswirkungen der neuesten Preisschwankungen einzudämmen, wie nach dem virtuellen Treffen bekannt gegeben wurde.
Die G7 appellieren zudem an Länder, auf ungerechtfertigte Exportbeschränkungen für Öl und Gas sowie deren Derivate zu verzichten. Die Notenbankgouverneure verpflichten sich zu enger Zusammenarbeit zur Sicherstellung der Preisstabilität.
Das Bündnis aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA strebt danach, eine neue Ölpreis- und Wirtschaftskrise durch den Irankrieg abzuwenden. Anders als in den 1970er Jahren fehlen jedoch bislang weitgehend koordinierte Massnahmen.
Nach der Online-Konferenz wurde betont, man sei «bereit, alle erforderlichen Massnahmen» zu ergreifen. Das bedeutet in diplomatischen Kreisen: Konkrete Entscheidungen wurden – noch – nicht getroffen.
Der Irankrieg wird von Fatih Birol, dem Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), als die «grösste Bedrohung der Energiesicherheit» bezeichnet. Larry Fink, Chef des weltweit führenden Vermögensverwalters Blackrock, warnt vor einer «schweren Rezession», sollte der Ölpreis weiter auf 150 US-Dollar pro Barrel ansteigen. In den letzten zwölf Monaten hat er von 75 auf 115 Dollar zugelegt.
Die USA können die Meerenge von Hormus nicht ausreichend sichern; immer wieder unternehmen Angriffe des Irans auf Öltanker. Bald könnte auch der Bab al-Mandab zwischen Jemen und Saudi-Arabien gefährdet sein, da dort Huthi-Milizen Öltanker angreifen, was dem Iran zugutekommen könnte.
Die Handlungsfähigkeit der Weltdiplomatie scheint abzunehmen. Obwohl die IEA-Staaten die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus staatlichen Reserven ankündigen, fehlt es an einer großangelegten koordinierten Reaktion.
Nationalstaatliche Lösungen dominieren das Bild: Italien reduziert die Kraftstoffsteuer. Frankreich unterstützt besonders betroffene Sektoren und stützt Haushalte finanziell, Japan subventioniert den Benzinpreis. In Grossbritannien gibt es ein Hilfspaket für Haushalte mit Ölheizungen. Eine koordinierte internationale Politik fehlt.
Der Mangel an Willen zur Abstimmung nationaler Maßnahmen mindert deren Effektivität und verhindert Verpuffungseffekte. Große globale Herausforderungen erfordern gemeinsame Lösungsansätze, doch die Ablehnung von Kooperationsformen wie der G7 durch Trump hat die Weltdiplomatie geschwächt – in einer Zeit, in der sie dringender denn je benötigt wird.
Sebastian Ramspeck ist Journalist und SRF-Korrespondent. Bekannt für seine EU-Analysen in Brüssel, erklärt er seit 2021 als Internationaler Korrespondent komplexe globale Zusammenhänge. Zudem moderiert er die TV-Sendung «SRFglobal», die sich monatlich einem Thema aus der internationalen Politik widmet.
SRF 4 News, 30.03.2026, 09.30 Uhr