Fast sechzig Jahre nach dem historischen bemannten Flug von Frank Borman, William Anders und James Lovell im Jahr 1968 steht die Artemis-2-Mission unter besonderen Vorzeichen. Am 1. April sollen Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und Jeremy Hansen in einem Raumschiff starten, das einen weiten Bogen um den Mond beschreibt und nach zehn Tagen wieder zur Erde zurückkehrt. Diese Mission mit Beteiligung der USA, Kanadas und Europas soll eine Landung auf dem Mond vorbereiten, die frühestens 2028 geplant ist.
Die Astronauten, die erste Besatzung des Space Launch System und Orion-Raumschiffs, bereiten sich seit 2023 intensiv vor. Erstmals im Jahr 2022 hatten Sensoren einer Puppe den Start begleitet, um Daten zu sammeln. Während der zehntägigen Reise wird Orion zunächst in niedrige Erdumlaufbahnen geschossen und dann auf eine höhere Bahn gebracht, wo die Astronauten Manöver durchführen, um ihre Fähigkeiten für spätere Missionen zu testen.
Ein europäisches Servicemodul wird Orion schließlich in eine Mondbahn lenken. Die Kapsel fliegt auf einer elliptischen Bahn in 7500 Kilometern Höhe um den Erdtrabanten, weit entfernt von der Nähe der Apollo-8-Astronauten, die bei nur 110 Kilometern Entfernung die berühmte Erde-Mond-Fotografie machten.
Trotz Parallelen zu Apollo fehlt es an Euphorie. Das Raumfahrtprogramm wird kontrovers diskutiert – unter anderem wegen der Frage, ob eine erneute Mondlandung wirklich die richtige Priorität ist. Der frühere Nasa-Direktor Dan Goldin bezeichnete den Mond als „Been there, done that“. Präsident Trump hatte ursprünglich Marsambitionen, aber auch dieser sah ein, dass die Voraussetzungen dafür noch nicht gegeben sind.
Die Artemis-Mission sieht eine Mondstation vor, um Technologien zur Nutzung von Eis und Staub zu testen – wichtige Schritte für längere Aufenthalte auf dem Mond. Zudem könnten seltene Rohstoffe wirtschaftliche Vorteile bringen.
Dennoch bleibt die Begeisterung gedämpft; Unsicherheit über den Wettlauf zum Mond mit China liegt in der Luft. Die Planung wird von Verzögerungen geprägt: Die Landefähre ist noch nicht fertig, weshalb die Landung auf 2028 verschoben wurde.
Ein kritischer Punkt der Mission ist der Wiedereintritt der Orion-Kapsel. Sie kehrt mit hohen Geschwindigkeiten zur Erde zurück und wird Temperaturen von bis zu 2760 Grad Celsius ausgesetzt. Ein Hitzeschild soll sie schützen, doch nach einem Testflug im Jahr 2022 wurden Mängel festgestellt. Die Nasa hat sich daher für eine traditionelle Wiedereintrittsmethode entschieden.
Kritik am Erhalt des beschädigten Hitzeschilds wurde laut, jedoch scheint ein Gespräch zwischen Nasa-Direktor Jared Isaacman und Kritikern die Fronten zu glätten. Die größte Herausforderung steht noch bevor: Wie sollen Astronauten 2028 auf dem Mond landen? Mit neuen Ideen soll dies möglichst rasch umsetzbar werden.
Die Artemis-2-Mission ist entscheidend für den Erfolg der gesamten Rückkehr zum Mond, und ein gelungenes Vorhaben könnte die verlorene Euphorie aus dem Apollo-Zeitalter zurückbringen.