Die Bewohner der Insel Pitt im Pazifik sahen sich am Montag mit fast 240 gestrandeten Grindwalen konfrontiert, denen sie letztlich nichts entgegensetzen konnten. Auf der abgelegenen Insel leben nur vierzig Menschen – zu wenige, um den Tieren, die bis zu 800 Kilogramm wiegen können, beizustehen. Zudem wäre es gefährlich gewesen, die Wale zurück ins Meer zu ziehen, da die Chatham-Inseln und ihre Umgebung von Weissen Haien bevölkert sind.
Dave Lundquist vom Department of Conservation erklärt: «Aufgrund der Gefahr durch Haie versuchen wir nicht aktiv, gestrandete Wale in der Nähe der Chatham-Inseln ins Wasser zurückzubringen.» Bei der Ankunft seiner Kollegen waren bereits einige der Tiere verendet. Die Überlebenden wurden eingeschläfert und zum Verwesen am Strand zurückgelassen.
Diese Massenstrandung war die zweite in kürzester Zeit auf den Chatham-Inseln, wo zuvor etwa 240 Wale am Freitag gestrandet waren. Solche Ereignisse sind zwar schockierend, aber nicht selten: Die neuseeländische Naturschutzbehörde verzeichnet durchschnittlich 85 Strandungsfälle jährlich, meist von Einzeltieren. Allerdings gibt es «Hotspots», wie die Golden Bay und die Stewart-Insel, an denen regelmässig Dutzende bis Hunderte von Tieren stranden – einschliesslich der größten bekannten Massenstrandung von rund tausend Grindwalen im Jahr 1918.
Emma Betty von der Massey University, die in Auckland eine Post-mortem-Einrichtung leitet, untersucht gestrandete Wale in Neuseeland und Australien. Obwohl viele Strandungen ein Rätsel bleiben, vermutet sie, dass einzelne Tiere aufgrund von Krankheiten oder Verletzungen stranden. Massenstrandungen sind umstritten: Betty glaubt, dass solche Ereignisse häufig in langen, sanft abfallenden Stränden stattfinden, die als natürliche Fallen gelten.
Wenn Wale einmal an Land sind, werden sie von ihrem eigenen Gewicht erdrückt. Diese Theorie deckt sich mit Beobachtungen: Offene Meeresarten wie Grindwale stranden häufiger als Küstenbewohner wie Delfine. In Neuseeland finden die meisten Strandungen im Sommer statt, wobei unklar bleibt, was die Wale anzieht – möglicherweise ihre Beute wie Kalmare und Tintenfische.
Grindwale entziehen sich weitgehend der Überwachung: Sie leben in tiefen Gewässern ausserhalb des Kontinentalsockels. Die neuseeländische Naturschutzbehörde versucht, durch den Verzicht auf lärmerzeugende Geräte in Küstennähe die Wale zu schützen.
Ein weiteres mögliches Strandungsrisiko ist das soziale Verhalten der Tiere: Grindwale leben oft als enge Gemeinschaften. Wenn ein Tier strandet, könnten andere ihm folgen. Retter achten darauf, dass gestrandete Wale in Gruppen befreit werden, um den Drang zur Rückkehr zu vermeiden. Doch für die auf den Chatham-Inseln Gestrandeten war keine Hilfe möglich; ihre Kadaver werden nun Aasfresser wie Vögel und Haie anlocken.